Notizen zur Rede Gottes

Kategorie: Niederschriften

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil C)

Bismillah.

Nach den Propheten Noah, Abraham, Moses, Aaron und Elias wollen wir in dem letzten Teil der Niederschrift noch einen Blick auf die Propheten Lot und Jonas werfen und sodann diese Sura mit der Passage über die Zurückweisung des falschen Engelglaubens abschließen (37:133-182).

C. Die Propheten Lot und Jonas

Der Prophet Jonas mit den Worten vorgestellt, dass Allah sagt, dass er doch gewiß zu den Gesandten gehörte (37:133). Ähnlich wie oben bei der Geschichte von Noah wird der Abschluß seiner Gesandtschaft dargestellt – nämlich mit der Rettung der Gläubigen und der Vernichtung der Ungerechten (37:134-136).

Diese Rettung Lots und seiner Anhänger vollzog sich am frühen Morgen, als auf die Bewohner der frevelnden Stadt ein Steinregen herabprasselte (vgl. 54:34:55). Sie hatte durch ihre sexuellen Übergriffe unter Einheimischen und Auswärtigen den Boden des Rechts und Ordnung vollständig zersetzt (vgl. 27:54-55). Ausdrücklich wird Lots Frau unter denjenigen erwähnt die zurückgelassen wurden (37:135). Sie hatte den Glauben verweigert und mit der Ungerechtigkeit ihrer Mitmenschen gemeinsame Sache gemacht – deswegen wird sie auch in 66:10 als ein Negativbeispiel für Ehefrauen aufgeführt.

Sodann wird die Ansprache an die vorislamischen Araber gerichtet: „Ihr kommt ja an ihnen vorbei, bei Tagesanbruch und bei Nacht. Begreift ihr denn nicht?“ (37:137-138) Und tatsächlich war es so gewesen, dass die ersten Adressaten des Qur’ân im Rahmen ihrer Handelsreisen an den Ruinen dieser Prophetenstädte vorbeikamen[note] Es wird gesagt, dass sich Sodom & Gomorrha am Fuße des Toten Meeres befand.[/note]. Sie wussten um diese Propheten und es war ihnen wohlbekannt, dass Allah diese Städte zerstört hatte. Insofern spricht Allah hier an das kollektive Bewusstsein der vorislamischen Araber. Sie sollen nicht die gleichen Fehler begehen und die Grenzen überschreiten.

Last but not least wird in der Sura as-Saffat der Prophet Jonas erwähnt. Wie auch die andere Propheten hatte er unter seinem Volk einen lange, beschwerliche Zeitraum mit der Einladung zum Islam zu bestehen. Das Besondere an ihm war, dass er sich nach dieser Phase eigenständig entschied, dass es nichts mehr bringt weiterzumachen. Er befürchtete die nahende Strafe Gottes und machte sich auf dem Weg um zu einem anderen Ort auszuwandern und verließ seine gottgegebene Mission.

An dieser Stelle beginnt hier die Rede Gottes. Als nämlich Jonas zum vollbeladenen Schiff lief um zwischen sich und Ninive einen großen Abstand zu lassen, geriet sein Schiff in Seenot (37:139-141). Die Matrosen merken, dass es sich um einen außergewöhnlichen Sturm handelt und ziehen Lose, um den Schuldigen für dieses Unglück zu finden. Als die Lose auf Jonas fällt, werfen sie ihn letzten Endes über Bord (37:141).

Dieser Prophet, der nun eine lange Zeit in seinem Volk verbracht und sie äußerst frustiert verlassen hatte, befindet sich nun in einem großen Fisch und befindet sich einem Zustand der Abgeschiedenheit und des Bedauerns (7:142). In der Dunkelheit sieht er seinen Fehler ein und ruft aus: „Es gibt keine Gottheit außer Dir! Wie perfekt bist Du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“ (vgl. 21:87-88). Allah erhört ihn und der große Fisch spuckt ihn auf eine kahle Landstelle, wo er sich nach einer Weile erholt (37:144-145). Nachdem er die reuige Umkehr zu Allah vollzogen hat, kehrt er nach Ninive zurück und rettet nicht nur sich, sondern auch sein Volk (vgl. 10:98). Diese wären ohne die Anstrengungen Jonas‘ dem Unrecht erlegen und hätten sich die Strafe Gottes erworben. Doch am Ende sahen auch sie ihre Fehler ein und besserten sich (37:147).

Die beiden Geschichten von Jonas und Lot zeigen uns jeweils nur das Ende einer Gesandtschaft die in beiden Fällen gemäß auch der Gesetzmäßigkeit Allahs immer ein Happy End für die Glaubenden ist. Das Beispiel Lots ist das eines Volkes die nicht aufhören Unheil auf der Erde anrichten und sich leichtfertig in Gefahr begeben selbst von den bösen Auswirkungen ihrer Taten heimgesucht zu werden. Diejenigen jedoch, die sich dem Unrecht entgegenstellen werden innerhalb des Kollektivs von der Strafe Gottes ausgenommen. Alles andere wäre wiederrum Unrecht: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, kann auch nicht belangt werden. Wer jedoch die Rechte der Menschen mit den Füßen tritt, der wird wie einer sein der von seinen eigenen bösen Taten wie ein Bumerangwerfer eingeholt wird – und auch wenn er die Ehefrau eines Propheten sein sollte.

Der edle Prophet Jonas zeigt uns, dass es auf dem Weg zur Umsetzung der göttlichen Befehle holprig und steinig werden und dieses Gefühl der Frustration jeden einholen kann. Falsch wäre es jedoch, wegen der äußeren widrigen Umstände einfach aufzugeben. Denn du weißt nicht wie nah du deinem Ziel bist. Wenn du jedoch einseitig deine Anstrengungen aufgibst, so wirst du im schlimmsten Fall die Früchte deiner Bemühungen nicht ernten können. Um auf den rechten Pfad zurückzukehren bedarf es nur eines Ausspruchs: „Es gibt keine Gottheit außer dir! Wie perfekt bist du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“

Damit richtest du dein Begehren zunächst einzig auf Allah aus. Danach erkennst du die Größe, Perfektion und Erhabenheit der einzigen Gottheit und dass deine Anstrengung zu Ihm, erhaben sei Er, nur winzig ist. Und abschließend legst du deine Schwächen offen, indem du bekennst, dass du als Mensch fehlerhaft bist. Diese Schritte müssen vollzogen werden um eine Rekalibrierung vorzunehmen.

So finden die Prophetengeschichte vorliegend ihr Ende.


Zum Abschluß der Sura as-Saffat sollen nur einige Punkte hervorgehoben werden (37:149-182). Die vorislamischen Araber stellten zwischen Gott und den Engeln eine Verwandtschaftsbande her und begründeten dies mit innerhalb ihres Glaubens. Diese religiöse Annahme weist Gott selbst entschieden zurück (37:151-152). Sie würde implizieren, dass Gott eine menschliche Eigenschaft hat und dies widerspricht dem Gedanken der Perfektion Gottes.

Er, der Erhabene, fordert sie auf Beweise zu bringen und sagt im Grunde folgendes: „Entweder habt ihr selbst die Erschaffung der Engel gesehen, seid also Augenzeugen, dann könntet ihr ein Beweis erbringen. Oder aber ihr habt eine schriftliche Versicherung von mir, dass diese Annahme stimmt. Wenn das so ist, dann bringt sie hervor!“ (vgl. 37:150-157). Freilich basierte dieser Glauben der Araber auf einem Hirngespinst.

Die Engel aber, und insoweit sind sie nicht anders als andere Geschöpfe, werden am Tage der Auferstehung versammelt sein und vor Gericht Aussagen zu machen haben (vgl. z.B. 34:34:40-41). Außerdem können nicht von der Stellung ausbrechen, die ihnen Allah gewährt hat (37:164-167). Und damit schließt sich der Kreis und die Sura über die sich Reihenden nimmt ihr Ende.

Genauso wie die Gläubigen ihre Plätze einnehmen (siehe bereits 37:1-3), so nehmen auch die Engel ihre Plätze ein. Ungerechtigkeit (arab. Zulm) entsteht erst, wenn der Mensch einer Sache nicht ihren gebührenden Platz gibt. Sei es die Stellung Gottes, der Engel, der Propheten oder des Menschen selbst.

Somit vermittelt die Sura as-Saffat am Ende mit ihrer fulminanten Lobpreisung Gottes, den Friedenswünschen auf den Besten der Besten und dem Dank gegenüber dem Schöpfer (37:180-1802) vor allem eins: das Bild der ausgeglichenen Harmonie.

Surat Sad – Ayat 17 – 26

Bismillah.

In den Ayat 17 bis 26 geht es um den Propheten David  (Dawud).

In Aya 17 spricht Allah zum Propheten Muhammed (sas) und sagt sinngemäß: „Ertrage standhaft was sie sagen. Und gedenke Unseres Dieners Dawud, des Kraftvollen.  Gewiss er war immer Umkehrbereit.“

Nun stellt sich die Frage, was der Prophet (sas) standhaft ertragen soll. Die Antwort darauf findet man in Ayah 16: „Und sie sagen: „Unser Herr gib uns schnell unser Buch noch vor dem Tag der Abrechnung“. Sie hatten sich lustig über den Tag der Auferstehung gemacht und wollten ihre Strafe schon vorher bekommen, als Beweis der Glaubwürdigkeit des Propheten (sas). Da der Prophet zu seinen Lebzeiten kein Beispiel hatte, an das er sich in schwierigen Situationen orientieren konnte, offenbarte ihm Allah immer wieder Beispiele durch die Geschichten der früheren Propheten, die oft in der gleichen Situation steckten wie er.

Es ist bekannt das David eine starke Persönlichkeit hatte und gewiss immer Umkehrbereit war. Das bedeutet, dass er immer bereute und zu seinem Herrn auf den geraden Weg zurückkehrte.

„Wir machten ja die Berge dienstbar, dass sie mit ihm zusammen abends und bei Sonnenaufgang (Allah) preisen. Und auch die (in Scharen) versammelten Vögel. Alle waren immer wieder zu ihm umkehrbereit.“ (38:18,19) Dawud (as) hatte als Offenbarung die Psalme bekommen. Diese hatten wenige rechtliche Komponente und waren eher mit der Lobpreisung Allahs gefüllt. Er rezitierte die Offenbarungen zusammen singend mit den Vögeln und den Bergen. Sie waren seinem Befehl folgend, immer wieder Allah zu preisen. Er hatte die besondere Gabe, das Preisen der Natur, und auch die der Tiere zu verstehen. In Sura 17, Aya 44 wird noch einmal deutlich, dass die gesamte Schöpfung Allahs, Allah lobpreist und das es absolut nichts gibt, das Ihn nicht lobpreist.

„Und wir festigten seine Herrschaft und gaben Ihm die Weisheit und die Entschiedenheit im Spruch.“ (38:20) David war ein König in seinem Land und hatte die Fähigkeit deutlich, gut und entschieden zu sprechen. Dadurch hatte er die Menschen mit seiner Rede berührt. Er hat seine Herrschaft dazu genutzt Allah zu dienen. Auch David betete wie alle anderen Propheten viel. Auch die Tahajjud Gebete, die für alle Propheten verpflichtend war, ließ er nie aus.

Ist zu dir die Kunde von den Widersachern gekommen? Als sie über die Mauern in die Andachtsräume einstiegen.“ (38:21) Der Prophet Dawud hatte mit dem Propheten Salomon veranlasst den ersten Tempel zu bauen. Dieser war so gebaut, dass es kaum möglich war in die Gebetsstätte Davids einzudringen. Doch genau dies passierte und plötzlich standen zwei Widersacher (zwei streitende Menschen) vor David (as).

„Als sie bei Dawud eintraten. Da erschrak er vor ihnen. Sie sagten „Fürchte dich nicht. (Wir sind) zwei Wiedersacher, von denen der eine den anderen unterdrückt hat. So urteile zwischen uns der Wahrheit entsprechend, handle nicht ungerecht und führe uns zum rechten Weg. Dieser da, mein Bruder, hat neunundneunzig weibliche Schafe, ich aber (nur) ein einziges Schaf. Dann sagte er: „Vertraue es mir an, und er überwand mich in der Rede.“ Er sagte: “ Er hat dir Unrecht getan, dass er dein Schaf zu seinen Schafen hinzu verlangte. Gewiss, viele von den Teilhabern begehen gegeneinander Übergriff, außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun – und das sind nur wenige.“ Und Dawud verstand, dass Wir ihn nur der Versuchung ausgesetzt hatten. Da bat er seinen Herrn um Vergebung und fiel in Verbeugung nieder und wandte sich (Ihm) reuig zu. “ (38:22,23,24) Die zwei Widersacher baten Daavid um ein Urteil der Wahrheit (nach Prinzipien der Offenbarung) entsprechend in ihrer Angelegenheit, da er ein König und der oberste Richter in seinem Land war. Sie schilderten ihm, dass der eine den anderen unterdrückte, in dem derjenige mit den 99 Schafen, demjenigen mit nur einem Schaf einredete, ihm sein einziges Schaf anzuvertrauen. Nun fühlte sich der Widersacher der nur ein Schaf besaß ungerecht behandelt. David gab ihnen ein Urteil (Ayah 24), dass der Widersacher der nur ein Schaf besaß, ungerecht behandelt wurde. Doch sofort bemerkt David, dass es sich bei den zwei Widersachern um Engel handelt, die Allah ihm zur Prüfung sandte. Als er bemerkte, dass er sich nur eine Seite von zweien angehört hatte, und somit einen Fehler begangen hatte fiel, er sofort als ob er von einem Blitz getroffen wurde in Verbeugung nieder und bat um Vergebung. In dieser Ayah ist es offensichtlich, wie schnell David Reue zeigt, und umkehrbereit ist. Dies ist ein Zeichen seiner starken Persönlichkeit, denn nicht jedem fällt es so leicht seine Fehler sofort einzusehen. Dieses Geschehen nimmt Bezug auf eine fundamentale Sache in unserem Leben. Es geht um das fällen von Urteilen anderer Personen ohne die Hintergründe der Person zu kennen. Wir dürfen im Urteilen nicht zu voreilig handeln.

„Und so vergaben Wir ihm dies. Für ihn wird er fürwahr (den Zutritt in) Unsere Nähe und eine schöne Heimstatt geben. O Dawud, Wir haben dich zu einem Nachfolger (früherer Herrscher) auf der Erde gemacht. So richte zwischen den Menschen der Wahrheit entsprechend und folge nicht der Neigung, auf dass sie dich nicht von Allahs Weg abirren lässt, denn für diejenigen, die von Allahs Weg abirren, wird es strenge Strafe dafür geben, dass sie den Tag der Abrechnung vergessen haben.“ (38:25,26) In Aya 26 wird David noch einmal von Allah darauf hingewiesen als Chalifa (für eine Erläuterung dieses Begriffes, siehe hier) in Gerechtigkeit, nach den Prinzipien der Offenbarung, und nicht nach Neigungen zu richten. Auch dies lässt sich natürlich auf die heutige Zeit übertragen.

Der Begriff Chalifa im Qur’an

Bismillah.

Der nachfolgende Text soll den arabischen Begriff Chalifa (Plural: Chulafa und Chalaif) in den Zusammenhängen erklären, in denen dieser Begriff im Qur’an auftaucht.

Grundsätzlich kennen wir diesen Begriff aus der Geschichte von der Erschaffung der ersten Menschen Adam und seiner Frau Eva (>>Und als dein Herr zu den Engeln sagte: „Ich bin dabei einen Chalifa, auf der Erde einzusetzen […] „<<, 2:30). Hierbei ist der direkte Zusammenhang von Chalifa mit Adam und Eva gemeint.

Außerdem verwendet Allah u.a. den Begriff Chalaif ([6:165], [27:62], [35:39]) und bezieht es auf die ganze Menschheit.

Weiterführend wird es in Bezug auf eine Nachfolge eines benannten Volkes benutzt ([7:69], [10:14]).

Unter anderem wird auch der Begriff Chalîfa auf eine einzelne Person, den Propheten David bezogen (38:26).

Chalifa kommt von der Wurzel (خ ل ف ) und hat drei primäre Bedeutungen:

Erstens: Die Bedeutung des Nachfolgers. Nachfolger ist jemand, der einem anderen in der Abfolge ersetzt. Als Beispiel ist das Prinzip des Familienoberhauptes geeignet. Sobald das Familienoberhaupt stirbt, muss er einen Nachfolger ernennen, also der nächste Chalifa.

Bei dieser Bedeutung ist das Weitergeben der Verantwortung gemeint.

Zweitens: Die Bedeutung, dass jemand, der in Leitung von etwas betraut worden ist. Dies bedeutet soviel wie, dass der/die Chalifa wurde mit einer Aufgabe beauftragt, jedoch ist es ihm/ihr überlassen, dieser Aufgabe nachzugehen. Er/Sie kann machen was von ihm/ihr verlangt worden ist oder er/sie kann es unterlassen. Allah sagt also in der Sura al-Baqarah, dass Er jemanden auf die Erde schicken wird, der seine Entscheidungen selbst fällen wird. Das heißt, jeder der die Entscheidung hat, zwischen gut und falsch zu wählen, ist ein Chalifa.

Drittens: Die Bedeutung der Verantwortung und zwar in dem Sinne, die Verantwortung über eine bestimmte Sache von jemanden anderen zu bekommen.

Dies ist auf gar keinen Fall mit Eigentumsrecht zu verwechseln, denn wenn jemanden Verantwortung übergeben wird, muss er es am Ende auch weitergeben. Man ist also nicht im Besitz dieser Verantwortung. Manche Leute gehen davon aus, dass einem alles gehört, was man verfügt. Doch im Islam ist es anders, jeder Mensch, der versteht, dass er ein Chalifa ist, weiß das ihm im Grunde gar nichts gehört.

Dieses Prinzip ist auch in der Wirtschaft zu finden, welches Eigentumsrecht und Verfügungsrecht heißt. Wir haben lediglich nur das Verfügungsrecht über eine Sache, jedoch gehört sie uns nicht, sondern Allah. Wir sind sogar soweit entfernt davon das Eigentum von etwas zu besitzen, da wir sogar unseren eigenen Körper zurückgeben müssen.

Zusammengefasst:

Chalifa bedeutet also zum einen jemandes Nachfolge antreten, zum anderen jemand dem die Freiheit gegeben worden ist Entscheidungen zu fällen und zuletzt jemand, dem die Verantwortung überreicht worden ist.

Surat Sad – Ayat 1 – 16

Bismillah.

Die Surat Sad beschäftigt sich im Allgemeinen damit, wie wichtig es ist Reue zu zeigen, wenn man eine schlechte Tat begangen hat. Der erste Vers der Surat beginnt mit dem arabischen Buchstaben „Ṣād“ und einem Schwur auf den Qur‘anBeim Qurʾan, voll der Ermahnung!“ Hier möchte uns Allah aufmerksam machen, dass der Qur’an eine Erinnerung und eine Würde für die Menschheit ist. Er ist wie ein Freund für uns, der nur Gutes bringt und uns ermahnt, wenn wir etwas Falsches machen (ähnlich: „Bei dem weisen Qurʾan“ 36:2). Der Qur’an ist sozusagen nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv zu betrachten, denn er kann je nachdem, wie es vom Individuum benutzt wird, auf Rangstufen erhöhen oder erniedrigen. Die Surat hat vom Stil her Ähnlichkeiten mit der Surah Qaf-„Qāf. Bei dem ruhmvollen Qurʾān!“ (50:1).

In den nächsten Versen redet Allah über die Mekkaner, die sich gegen den Propheten Muhammad (sas) richten, und ihn als Zauberer beschuldigen (38:4,5). Sie finden es verwunderlich (36:5), dass Rasulullah sie zum Monotheismus ruft und die Götter zu einem einzigen Gott macht (ähnlich: [10:02], [07:67]. Danach sagen sie, dass sich die Menschen weiterhin beharrlich an ihre Götter festhalten sollen (36:6). Es erschließt sich, dass das arabische Wort „Sabr“ nicht nur für etwas Nützliches bzw. Gutes benutzt wird. Außerdem finden sie es absurd, dass die Prophetenschaft ausgerechnet an den Propheten (sas) verkündet wurde, und nicht an eine andere mächtigere und angesehenere Person aus ihrer Mitte (36:8) (ähnlich: [38:15], [43:31], [25:41]).

Es war ihnen klar, dass der Prophet (sas) der vertrauenswürdigste Mensch zu jener Zeit war, jedoch versuchten sie ihn als Zielscheibe für ihren Spott gegenüber Allahs Botschaft , zu benutzen. Also machten sie sich zwar lustig um Rasulullah und seine Person, insgeheim waren sie jedoch, wie Allah es eindeutig sagt, im Zweifel über Seine Ermahnung! (38:8). Allah jedoch verspricht dem Propheten (sas), dass Er sie vor den Menschen beschützen wird und er weiterhin Seine Botschaft verkünden soll (5:67). In Vers 9 und 10 möchte Allah betonen, dass Er ganz bewusst Rasulullah als Prophet erwählt hat (eigene Kriterien, zB. Ehrlichkeit, kein Götzenanbeter), und nur Er die Weisheit und Barmherzigkeit hat zu wissen und entscheiden zu können, wer der richtige für die Prophetenschaft, und somit auch für die Menschheit ist.

Allah gibt in den nächsten Versen Beispiele von Völkern (38:12, 13,14) (Volk Nuh und Fir’aun Besitzer der Pfähle gemeint sind die Pyramiden, Lut, Suhaib, Salih), die, wie die Mekkaner, die Gesandten zur Lüge bezichtigt haben und später ihre gerechte Strafe bekommen haben. Weiterhin sagt Er, dass die Mekkaner wohl den Ruf erwarten, nach dem es im Diesseits kein Wiedererwachen geben wird (38:15), denn auch im nächsten Vers (16) wird klar, dass sich die Glaubensverweigerer lächerlich gegenüber Allahs Ermahnung machen, und die angekündigte Strafe sehen möchten, weil sie nicht glauben, dass Allah sie durch ihr Gespött, bestrafen wird.

Sura as-Saffat – Ayat 25 – 74

Bismillah.

Diese Ayat stellen gewissermaßen einen Ausblick auf den Tag des Jüngsten Gerichts dar, der in dieser Sura unter anderem als „Tag des Gerichts“ (37:20) und als „Tag der Entscheidung“ (37:21) bezeichnet wird. Die Menschen, die über den Propheten (sas) zu spotten pflegten (37:12,14), die die Botschaft des Propheten (sas) als „deutliche Zauberei“ bezeichneten (37:15) und den Tag des Jüngsten Gerichts stets leugneten (37:16,21) werden gefragt werden, warum sie sich nicht gegenseitig unterstützen (37:23). Dies ist als rhetorische Frage zu verstehen. Im diesseitigen Leben tendieren die Frevler dazu sich falsche Vorbilder zu nehmen. Diese Vorbilder, beispielsweise einflußreiche Personen wie politsche Führer, Kleriker oder Gelehrte, aber auch Freunde und Bekannte, die dem Menschen als vertrauenswürdig erscheinen (vgl. 37:28; „Ihr kamt doch zu uns (stets) von rechts her.“), führen die Menschen in die Verirrung. Die Schwächeren werden den Stärkeren zum Vorwurf machen, dass sie dachten, sie könnten auf letztere vertrauen (37:28). Daraufhin werden die Stärkeren erwidern, dass erstere schlichtweg „nicht gläubig“ (37:29) gewesen sind und „keine Macht“ (37:30) auf sie ausgeübt wurde. Worüber uns diese Stelle Aufschluss gibt, ist die Tatsache, dass am Tag des Jüngsten Gerichts kein Mensch eine Entschuldigung für seine Taten vorbringen kann. Der Mensch hat einen freien Willen und kann seine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn er falschen Vorbildern folgt, wird dies am Tag der Auferstehung nicht als Entschuldigung für seine Taten gelten. Eine parallele Stelle findet man in Sura 34 – Saba‘ in den Ayat 32 bis 33. Durch direkte Rede wird ein ähnliches Gespräch zwischen den hier als „sich hochmütig“ Verhaltenden und „denjenigen, die unterdrückt wurden“ bezeichneten, suggeriert. Die Frevler werden am Tag des Jüngsten Gerichts erkennen, dass Allahs Versprechen eintreffen wird und sie sich der Strafe nicht entziehen können (37:31). Interessant ist, dass sich diese Stelle nicht nur auf die Nicht-Muslime beziehen lässt, sondern auch auf die Muslime, die scheinbar blind Gelehrten folgen ohne selbst nach Antworten im Qur’an oder der Sunnah zu suchen.

Die nachfolgenden Verse (ab Aya 38) zeigen etwas für den Qur’an sehr typisches. Nachdem Allah den Frevlern die „schmerzhafte Strafe“ (37:38) androht, findet in den nächsten Versen die Beschreibung des Paradieses Anklang. Man sollte sich besonders die Ayat 38 bis 40 ansehen. Die Teile die ihnen vorausgehen beziehungsweise folgen sind gewissermaßen spiegelbildlich angeordnet. Beiden Gruppen wird „vergolten, was [sie] zu tun pflegten“ (37:39). Während die Frevler die schmerzhafte Strafe kosten werden, wird den auserlesenen Dienern das Paradies zu Teil werden. In den Ayat 48 bis 49 werden die Huri, die Frauen des Paradieses beschrieben. Die muslimischen Frauen werden im Paradies aufgrund ihrer gottesdienstlichen Handlungen jedoch eine Vorrangstellung haben.

In den Ayat 52 bis 59 wird ein weiterer Dialog zwischen den Bewohnern des Paradieses aufgezeigt. Ein Bewohner des Paradieses sieht einen ehemaligen Gesellen „mitten im Höllenbrand“ (37:55). Welche Lehren können daraus gezogen werden? Zum einen wird aufgezeigt, dass es durchaus möglich sein kann, dass wir Bekannte und Verwandte in der Hölle sehen werden. Am Tag der Auferstehung wird jeder ganz allein vor Allah stehen. In Sura 22 – al Hagg heißt es in Aya 2, dass die stillende Mutter vor Entsetzen ihr Kind übersehen wird. Welche stärkere Bindung kann es geben als die Mutter-Kind-Beziehung. Wir sehen, dass wir, wenn es um den Wohlgefallen Allahs geht, auf uns allein gestellt sind. Des Weiteren sagt uns Allah, dass wir nur durch Seine „Gnade“ (37:57) ins Paradies eingehen werden. So heißt es auch in Sura 14 – Ibrahim in der Aya 11 „…Allah erweist Gnade wem von Seinen Dienern Er will.“ Die Gläubigen sollten somit nicht nur allein auf ihre gottesdienstlichen Handlungen und ihr gutes Verhalten vertrauen, sondern auf die Gnade Allahs hoffen.

In dieser Sura werden, wie zuvor bereits beschrieben, das Paradies und die Hölle stets nebeneinander aufgeführt. In Aya 62 verdeutlicht uns Allah, dass wir als Menschen durch unsere Taten die Wahl zwischen der „gastlichen Aufnahme“ im Paradies und der „gastlichen Aufnahme“ durch den Zaqqum-Baum haben. Beides steht für die Menschen bereit. Der Zaqqum-Baum wird als Fitna, als „Versuchung für die Ungerechten“ (37:63) benannt. Zum einen, da sich die Ungläubigen über die Gleichnisse Allahs lustig machen. So auch über den Zaqqum-Baum. Für die Gläubigen gilt er als abschreckendes Beispiel. Seine „Fruchtscheide [sehen aus] als wären es Köpfe von Satanen“ (37:65). Die Höllenbewohner werden keine Ruhe finden. Sie werden vom Zaqqum-Baum essen müssen, dann erhalten sie „eine Mischung von heißem Wasser“ (37:67) und daraufhin werden sie „zum Höllenbrand zurück[kehren].“ Die Bewohner des Höllenfeuers werden sich in einer Art Rundlauf zwischen der Hölle und dem siedend heißen Wasser befinden. So finden wir es auch in Sura 55 ar – Rahman in der Aya 44. Die andere Art der Fitna, der die Höllenbewohner ausgesetzt sind, ist die Tatsache, die der Zaqqum-Baum als Symbol für die Hölle aufzeigt, der unvorstellbaren und unvergleichlichen Erschwernisse in der Hölle, der die Bewohner ausgesetzt sind.

Sura as-Saffat – Ayat 1 – 34

Bismillah.

Offenbarung: mekkanisch (vor der Hidschra)

Themen:

  • Prophetengeschichten z.B. Ibrahim (a.s.)
  • Al-Ikhlas fil ‚Ibada: Aufrichtigkeit im Gottesdienst
  • Tawheed: der Glaube an einen Gott
  • Zustand der Mujremin (Glaubensverweigerer)
  • Beschreibung von Paradies und Hölle

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  • Der Name As-Saffat hat die Wurzel „Saff“ und bedeutet „eine Reihe“.
  • Die Sura fängt mit einem „ﻭ“ an, drei Wörter und kurze Ayat (typisch für mekkanische Suren)

 

→ Vergleich: Sura Ad-Dhariyat 51, Al-Mursalat 77,  An-Naziat 79 → man beachte die ähnliche Endung der Suren

  • Das Wort As-Saffat bedeutet: „diejenigen die Andere in Reihe aufstellen und diejenigen die sich selbst in eine Reihe stellen (meist sind auch die in der Mehrzahl)“
  • daraus ergeben sich folgende Punkte: [/su_list]

1) die Gläubigen müssen zusammenhalten und im Gebet in einer Reihe stehen, eine Einheit bilden (Vergleich: [61:4] Kampf in der Reihe)

2) die Engel stehen auch im Gebet in einer Reihe (37:165)

3) die Vögel die in einer Reihe stehen (67:19)

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  • die Eigenschaften der Mujremin (37:34) [/su_list]

1) sie gesellen Allah etwas bei: „Und sie sagen: Lassen wir wirklich ab von unseren Göttern wegen eines besessenen Dichters?“ (37:36)
2) sie spotten über Allahs Zeichen (37:12-­14)

3) wenn sie erinnert werden, erinnern sie sich nicht (37:13)

→ in Bezug z.B. auf die Natur, sie verbinden es nicht mit Allah (Erinnerung von außen)/(Vergleich: [38:29])

4) sie sind hochmütig (37:15)

5) sie verleugnen die Auferstehung und den Tag des jüngsten Gerichts (37:21)

6) sie sind maßlos und nahmen sich die falschen Freunde (37:30-­32)/ (Vergleich: [34:32-­33])

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