Bismillah.

Nach den Propheten Noah, Abraham, Moses, Aaron und Elias wollen wir in dem letzten Teil der Niederschrift noch einen Blick auf die Propheten Lot und Jonas werfen und sodann diese Sura mit der Passage über die Zurückweisung des falschen Engelglaubens abschließen (37:133-182).

C. Die Propheten Lot und Jonas

Der Prophet Jonas mit den Worten vorgestellt, dass Allah sagt, dass er doch gewiß zu den Gesandten gehörte (37:133). Ähnlich wie oben bei der Geschichte von Noah wird der Abschluß seiner Gesandtschaft dargestellt – nämlich mit der Rettung der Gläubigen und der Vernichtung der Ungerechten (37:134-136).

Diese Rettung Lots und seiner Anhänger vollzog sich am frühen Morgen, als auf die Bewohner der frevelnden Stadt ein Steinregen herabprasselte (vgl. 54:34:55). Sie hatte durch ihre sexuellen Übergriffe unter Einheimischen und Auswärtigen den Boden des Rechts und Ordnung vollständig zersetzt (vgl. 27:54-55). Ausdrücklich wird Lots Frau unter denjenigen erwähnt die zurückgelassen wurden (37:135). Sie hatte den Glauben verweigert und mit der Ungerechtigkeit ihrer Mitmenschen gemeinsame Sache gemacht – deswegen wird sie auch in 66:10 als ein Negativbeispiel für Ehefrauen aufgeführt.

Sodann wird die Ansprache an die vorislamischen Araber gerichtet: „Ihr kommt ja an ihnen vorbei, bei Tagesanbruch und bei Nacht. Begreift ihr denn nicht?“ (37:137-138) Und tatsächlich war es so gewesen, dass die ersten Adressaten des Qur’ân im Rahmen ihrer Handelsreisen an den Ruinen dieser Prophetenstädte vorbeikamen[note] Es wird gesagt, dass sich Sodom & Gomorrha am Fuße des Toten Meeres befand.[/note]. Sie wussten um diese Propheten und es war ihnen wohlbekannt, dass Allah diese Städte zerstört hatte. Insofern spricht Allah hier an das kollektive Bewusstsein der vorislamischen Araber. Sie sollen nicht die gleichen Fehler begehen und die Grenzen überschreiten.

Last but not least wird in der Sura as-Saffat der Prophet Jonas erwähnt. Wie auch die andere Propheten hatte er unter seinem Volk einen lange, beschwerliche Zeitraum mit der Einladung zum Islam zu bestehen. Das Besondere an ihm war, dass er sich nach dieser Phase eigenständig entschied, dass es nichts mehr bringt weiterzumachen. Er befürchtete die nahende Strafe Gottes und machte sich auf dem Weg um zu einem anderen Ort auszuwandern und verließ seine gottgegebene Mission.

An dieser Stelle beginnt hier die Rede Gottes. Als nämlich Jonas zum vollbeladenen Schiff lief um zwischen sich und Ninive einen großen Abstand zu lassen, geriet sein Schiff in Seenot (37:139-141). Die Matrosen merken, dass es sich um einen außergewöhnlichen Sturm handelt und ziehen Lose, um den Schuldigen für dieses Unglück zu finden. Als die Lose auf Jonas fällt, werfen sie ihn letzten Endes über Bord (37:141).

Dieser Prophet, der nun eine lange Zeit in seinem Volk verbracht und sie äußerst frustiert verlassen hatte, befindet sich nun in einem großen Fisch und befindet sich einem Zustand der Abgeschiedenheit und des Bedauerns (7:142). In der Dunkelheit sieht er seinen Fehler ein und ruft aus: „Es gibt keine Gottheit außer Dir! Wie perfekt bist Du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“ (vgl. 21:87-88). Allah erhört ihn und der große Fisch spuckt ihn auf eine kahle Landstelle, wo er sich nach einer Weile erholt (37:144-145). Nachdem er die reuige Umkehr zu Allah vollzogen hat, kehrt er nach Ninive zurück und rettet nicht nur sich, sondern auch sein Volk (vgl. 10:98). Diese wären ohne die Anstrengungen Jonas‘ dem Unrecht erlegen und hätten sich die Strafe Gottes erworben. Doch am Ende sahen auch sie ihre Fehler ein und besserten sich (37:147).

Die beiden Geschichten von Jonas und Lot zeigen uns jeweils nur das Ende einer Gesandtschaft die in beiden Fällen gemäß auch der Gesetzmäßigkeit Allahs immer ein Happy End für die Glaubenden ist. Das Beispiel Lots ist das eines Volkes die nicht aufhören Unheil auf der Erde anrichten und sich leichtfertig in Gefahr begeben selbst von den bösen Auswirkungen ihrer Taten heimgesucht zu werden. Diejenigen jedoch, die sich dem Unrecht entgegenstellen werden innerhalb des Kollektivs von der Strafe Gottes ausgenommen. Alles andere wäre wiederrum Unrecht: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, kann auch nicht belangt werden. Wer jedoch die Rechte der Menschen mit den Füßen tritt, der wird wie einer sein der von seinen eigenen bösen Taten wie ein Bumerangwerfer eingeholt wird – und auch wenn er die Ehefrau eines Propheten sein sollte.

Der edle Prophet Jonas zeigt uns, dass es auf dem Weg zur Umsetzung der göttlichen Befehle holprig und steinig werden und dieses Gefühl der Frustration jeden einholen kann. Falsch wäre es jedoch, wegen der äußeren widrigen Umstände einfach aufzugeben. Denn du weißt nicht wie nah du deinem Ziel bist. Wenn du jedoch einseitig deine Anstrengungen aufgibst, so wirst du im schlimmsten Fall die Früchte deiner Bemühungen nicht ernten können. Um auf den rechten Pfad zurückzukehren bedarf es nur eines Ausspruchs: „Es gibt keine Gottheit außer dir! Wie perfekt bist du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“

Damit richtest du dein Begehren zunächst einzig auf Allah aus. Danach erkennst du die Größe, Perfektion und Erhabenheit der einzigen Gottheit und dass deine Anstrengung zu Ihm, erhaben sei Er, nur winzig ist. Und abschließend legst du deine Schwächen offen, indem du bekennst, dass du als Mensch fehlerhaft bist. Diese Schritte müssen vollzogen werden um eine Rekalibrierung vorzunehmen.

So finden die Prophetengeschichte vorliegend ihr Ende.


Zum Abschluß der Sura as-Saffat sollen nur einige Punkte hervorgehoben werden (37:149-182). Die vorislamischen Araber stellten zwischen Gott und den Engeln eine Verwandtschaftsbande her und begründeten dies mit innerhalb ihres Glaubens. Diese religiöse Annahme weist Gott selbst entschieden zurück (37:151-152). Sie würde implizieren, dass Gott eine menschliche Eigenschaft hat und dies widerspricht dem Gedanken der Perfektion Gottes.

Er, der Erhabene, fordert sie auf Beweise zu bringen und sagt im Grunde folgendes: „Entweder habt ihr selbst die Erschaffung der Engel gesehen, seid also Augenzeugen, dann könntet ihr ein Beweis erbringen. Oder aber ihr habt eine schriftliche Versicherung von mir, dass diese Annahme stimmt. Wenn das so ist, dann bringt sie hervor!“ (vgl. 37:150-157). Freilich basierte dieser Glauben der Araber auf einem Hirngespinst.

Die Engel aber, und insoweit sind sie nicht anders als andere Geschöpfe, werden am Tage der Auferstehung versammelt sein und vor Gericht Aussagen zu machen haben (vgl. z.B. 34:34:40-41). Außerdem können nicht von der Stellung ausbrechen, die ihnen Allah gewährt hat (37:164-167). Und damit schließt sich der Kreis und die Sura über die sich Reihenden nimmt ihr Ende.

Genauso wie die Gläubigen ihre Plätze einnehmen (siehe bereits 37:1-3), so nehmen auch die Engel ihre Plätze ein. Ungerechtigkeit (arab. Zulm) entsteht erst, wenn der Mensch einer Sache nicht ihren gebührenden Platz gibt. Sei es die Stellung Gottes, der Engel, der Propheten oder des Menschen selbst.

Somit vermittelt die Sura as-Saffat am Ende mit ihrer fulminanten Lobpreisung Gottes, den Friedenswünschen auf den Besten der Besten und dem Dank gegenüber dem Schöpfer (37:180-1802) vor allem eins: das Bild der ausgeglichenen Harmonie.