Bismillah.
Diese Ayat stellen gewissermaßen einen Ausblick auf den Tag des Jüngsten Gerichts dar, der in dieser Sura unter anderem als „Tag des Gerichts“ (37:20) und als „Tag der Entscheidung“ (37:21) bezeichnet wird. Die Menschen, die über den Propheten (sas) zu spotten pflegten (37:12,14), die die Botschaft des Propheten (sas) als „deutliche Zauberei“ bezeichneten (37:15) und den Tag des Jüngsten Gerichts stets leugneten (37:16,21) werden gefragt werden, warum sie sich nicht gegenseitig unterstützen (37:23). Dies ist als rhetorische Frage zu verstehen. Im diesseitigen Leben tendieren die Frevler dazu sich falsche Vorbilder zu nehmen. Diese Vorbilder, beispielsweise einflußreiche Personen wie politsche Führer, Kleriker oder Gelehrte, aber auch Freunde und Bekannte, die dem Menschen als vertrauenswürdig erscheinen (vgl. 37:28; „Ihr kamt doch zu uns (stets) von rechts her.“), führen die Menschen in die Verirrung. Die Schwächeren werden den Stärkeren zum Vorwurf machen, dass sie dachten, sie könnten auf letztere vertrauen (37:28). Daraufhin werden die Stärkeren erwidern, dass erstere schlichtweg „nicht gläubig“ (37:29) gewesen sind und „keine Macht“ (37:30) auf sie ausgeübt wurde. Worüber uns diese Stelle Aufschluss gibt, ist die Tatsache, dass am Tag des Jüngsten Gerichts kein Mensch eine Entschuldigung für seine Taten vorbringen kann. Der Mensch hat einen freien Willen und kann seine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn er falschen Vorbildern folgt, wird dies am Tag der Auferstehung nicht als Entschuldigung für seine Taten gelten. Eine parallele Stelle findet man in Sura 34 – Saba‘ in den Ayat 32 bis 33. Durch direkte Rede wird ein ähnliches Gespräch zwischen den hier als „sich hochmütig“ Verhaltenden und „denjenigen, die unterdrückt wurden“ bezeichneten, suggeriert. Die Frevler werden am Tag des Jüngsten Gerichts erkennen, dass Allahs Versprechen eintreffen wird und sie sich der Strafe nicht entziehen können (37:31). Interessant ist, dass sich diese Stelle nicht nur auf die Nicht-Muslime beziehen lässt, sondern auch auf die Muslime, die scheinbar blind Gelehrten folgen ohne selbst nach Antworten im Qur’an oder der Sunnah zu suchen.
Die nachfolgenden Verse (ab Aya 38) zeigen etwas für den Qur’an sehr typisches. Nachdem Allah den Frevlern die „schmerzhafte Strafe“ (37:38) androht, findet in den nächsten Versen die Beschreibung des Paradieses Anklang. Man sollte sich besonders die Ayat 38 bis 40 ansehen. Die Teile die ihnen vorausgehen beziehungsweise folgen sind gewissermaßen spiegelbildlich angeordnet. Beiden Gruppen wird „vergolten, was [sie] zu tun pflegten“ (37:39). Während die Frevler die schmerzhafte Strafe kosten werden, wird den auserlesenen Dienern das Paradies zu Teil werden. In den Ayat 48 bis 49 werden die Huri, die Frauen des Paradieses beschrieben. Die muslimischen Frauen werden im Paradies aufgrund ihrer gottesdienstlichen Handlungen jedoch eine Vorrangstellung haben.
In den Ayat 52 bis 59 wird ein weiterer Dialog zwischen den Bewohnern des Paradieses aufgezeigt. Ein Bewohner des Paradieses sieht einen ehemaligen Gesellen „mitten im Höllenbrand“ (37:55). Welche Lehren können daraus gezogen werden? Zum einen wird aufgezeigt, dass es durchaus möglich sein kann, dass wir Bekannte und Verwandte in der Hölle sehen werden. Am Tag der Auferstehung wird jeder ganz allein vor Allah stehen. In Sura 22 – al Hagg heißt es in Aya 2, dass die stillende Mutter vor Entsetzen ihr Kind übersehen wird. Welche stärkere Bindung kann es geben als die Mutter-Kind-Beziehung. Wir sehen, dass wir, wenn es um den Wohlgefallen Allahs geht, auf uns allein gestellt sind. Des Weiteren sagt uns Allah, dass wir nur durch Seine „Gnade“ (37:57) ins Paradies eingehen werden. So heißt es auch in Sura 14 – Ibrahim in der Aya 11 „…Allah erweist Gnade wem von Seinen Dienern Er will.“ Die Gläubigen sollten somit nicht nur allein auf ihre gottesdienstlichen Handlungen und ihr gutes Verhalten vertrauen, sondern auf die Gnade Allahs hoffen.
In dieser Sura werden, wie zuvor bereits beschrieben, das Paradies und die Hölle stets nebeneinander aufgeführt. In Aya 62 verdeutlicht uns Allah, dass wir als Menschen durch unsere Taten die Wahl zwischen der „gastlichen Aufnahme“ im Paradies und der „gastlichen Aufnahme“ durch den Zaqqum-Baum haben. Beides steht für die Menschen bereit. Der Zaqqum-Baum wird als Fitna, als „Versuchung für die Ungerechten“ (37:63) benannt. Zum einen, da sich die Ungläubigen über die Gleichnisse Allahs lustig machen. So auch über den Zaqqum-Baum. Für die Gläubigen gilt er als abschreckendes Beispiel. Seine „Fruchtscheide [sehen aus] als wären es Köpfe von Satanen“ (37:65). Die Höllenbewohner werden keine Ruhe finden. Sie werden vom Zaqqum-Baum essen müssen, dann erhalten sie „eine Mischung von heißem Wasser“ (37:67) und daraufhin werden sie „zum Höllenbrand zurück[kehren].“ Die Bewohner des Höllenfeuers werden sich in einer Art Rundlauf zwischen der Hölle und dem siedend heißen Wasser befinden. So finden wir es auch in Sura 55 ar – Rahman in der Aya 44. Die andere Art der Fitna, der die Höllenbewohner ausgesetzt sind, ist die Tatsache, die der Zaqqum-Baum als Symbol für die Hölle aufzeigt, der unvorstellbaren und unvergleichlichen Erschwernisse in der Hölle, der die Bewohner ausgesetzt sind.