Rede Gottes

Notizen zur Rede Gottes

Der Online-Muslim, oder: Warum es in Ordnung ist mittelmäßig zu sein

Ich habe eine sehr lange Zeit gebraucht um das zu realisieren, aber als ich es dann schließlich getan habe, habe ich mich gefühlt, als ob ich in eine neue Welt der Befreiung getreten wäre.

Es ist in Ordnung für mich mittelmäßig zu sein. Was meine ich damit? Lasse mich kurz erklären.

Zwillingsverse: Ein weiterer, methodologischer Beitrag zur Qur’ânerläuterung [A]

Der Qur’ân ist eine erklärungsbedürftige Schrift. Aufgrund seiner hohen Bedeutung als Rede Gottes ist er anfällig dafür als Schrift zur Durchsetzung eigener politischer Inhalte missbraucht zu werden. Obschon sich seit der ersten mündlichen Weitergabe des Qur’âns eine Methodologie der Qur’ânerläuterung herausgebildet hat (sog. Usûl at-Tafsîr), mangelt es vielen Muslimen am Wissen für diese Methode, die gewährleistet, dass man sich dieser Schrift nähert und Instrumentalisierungen entlarvt.
Der nachfolgende Text soll einen Beitrag zum Königsweg der Qur’ânerläuterung, der Erläuterung des Qur’âns mit sich selbst, leisten. Dazu wird im ersten Schritt einen Blick darauf gerichtet, wie der Qur’ân sich selbst dem Leser präsentiert. Ausgehend davon werden verschiedene Zugänge zum ganzheitlichen Verständnis des Qur’âns aufgezeigt. Abschließend sollen noch auf häufige Fehler bezüglich der Exegese aufmerksam gemacht werden.

Zwischen Gottergebenheit und Heuchelei (2:204 – 211)

Bismillah.

Gott der Erhabene sagt in Übertragung seiner Rede im Kapitel mit der Kuh (Sûrat al-Baqara, No.2):

>>Manche Menschen gibt es, dessen Rede über das Leben hier im Diesseits dir gefällt
und der zum Zeugen Gott anruft für das, was er in seinem Herzen hegt –
und ist dabei der heftigste Streitsüchtige. (204)
Wendet er sich ab, ist er darauf aus, Unheil auf der Erde anzurichten
und Ackerland und Nachkommenschaft zu vernichten.
Gott liebt das Unheil nicht. (205)
Wird ihm gesagt „Fürchte Gott!“,
ergreift ihn Stolz auf seine Sünde.
Mit der Hölle muss er sich begnügen –
wahrlich, welch schlimme Lagerstatt! (206)
Manchen Menschen gibt es, der seine Person verkauft
im Bestreben nach Gottes Wohlgefallen.
Gott ist zu seinen Knechten gütig. (207)
O ihr, die ihr glaubt! Tretet allesamt ein in das Heil!
Und folgt nicht den Schritten Satans!
Siehe, er ist euch ein klarer Feind (208)
Doch wenn ihr strauchelt, nachdem doch Beweise zu euch gekommen waren,
so wisst: Gott ist mächtig, weise! (209)
Halten sie wohl Ausschau nur danach, dass Gott persönlich zu ihnen komme
im Schutze von Gewölk mit seinen Engeln?
Dann wäre doch die Sache entschieden,
und alles würde zu Gott zurückgebracht. (210)
Frag doch die Kinder Israel, wie viele klare Zeichen wir ihnen gaben!
Wer die Gnade Gottes vertauscht, nachdem sie doch zu ihnen gekommen war-
siehe, Gott ist dann streng im Strafen (211)
Verlockend ist für diejenigen die den Glauben verweigern das Leben hier im Diesseits,
und sie spotten über die, welche glauben.
Die Gott fürchten, stehen am Tag der Auferstehung über ihnen.
Gott versieht mit Gaben, ohne abzurechnen, wen Er will (212).<<

Es geht in diesen Âyât um die Heuchler und ihre Eigenschaften die Wege die zur Glaubensverweigerung führen. Gott sagt, dass es unter den Menschen Heuchler gibt die super sprechen können. Man denkt sich: „MaschaAllah, das ist eine clevere Person, wie gut kann die denn sprechen ey!“ Sogar der Prophet hat das Sprechen der Heuchler gefallen, ohne zu merken, dass sie zwar gut sprechen aber schlecht handeln (2:204). Deswegen warnt Gott vor ihnen, denn sie sind diejenigen die sich am meisten Widerstand gegen den Glauben leisten (وَهُوَ أَلَدُّ الْخِصَامِ). Außerdem schwören heuchlerische Personen dauernd bei Gott und nehmen Gott zum Zeugen für ihre Lügen – was besonders gefährlich ist. Wir können als Beispiel nennen die Âya [63:1], in der aufgezeigt wird, wie die Heuchler zum Propheten gekommen sind und seine Gesandtschaft bezeugt haben. Man neigt dazu dieser Person zu vertrauen und ihn zu bewundern.

Das Einzige was der Heuchler machen will ist jedoch Unheil und Chaos anzurichten. Ob bei den Menschen oder bei Ackerfeldern, die den Menschen versorgen, es ist ihm egal (2:205). Wenn er jedoch auf sein sündhaftes Verhalten hingewiesen wird und ihm gesagt wird: „Schwester/Bruder, fürchte Gott! Das geht doch nicht!“, so wird er hochmütig und er macht sogar noch stärker wie vorher weiter (2:206). Möge Gott uns davor bewahren.

Jedoch gibt es welche die ihr ganzes Leben verkaufen nur um Gotts Zufriedenheit zu erlangen (2:207) – möge Gott zu ihnen zählen. Jeder Mensch hat das „Potential“ der Heuchelei im Herzen, deswegen ruft uns Gott auf vollständig, also mit Leib und Seele, in den Islam einzutreten. Das Beispiel der kompletten Gottergebenheit sind Abraham und sein Sohn Ismael, die sich ganz dem Befehl Gottes beugten (vgl. 37:102; die ganze Geschichte hier). Und das Beispiel des wankelnden Gottergebenen, ist die Person, die wenn es ihm schlecht geht, Gott voller Inbrunst anruft aber in guten Zeiten Gott vergisst (siehe 30:33).

Ferner sollen nicht den Spuren des Satans folgen, der die Menschen in seine Fehler mitziehen will. Er hat jedoch keine Macht über den Menschen und kann nur leere Versprechungen geben (4:120).
Der Inhalt dieser Stelle findet ihr Ende mit den Negativbeispielen der Geschichte: Die glaubensverweigernden Mekkaner, die den Propheten nicht anerkannt hatte, weil er nach ihrer Meinung schließlich „auch nur ein Mensch“ war (vgl. 17:94). Die Einstellung der Mekkaner war also folgende: „Wer bist du denn, dass du mir sagen willst was ich zu tun habe??“
Gott warnt uns vor dieser Einstellung! Er fragt, ob wir denn erwarten dass Gott persönlich kommt? Oder erwarten wir etwa, dass die Engel aus den Wolken kommen? (2:210; zu weiteren Aufforderungen Wunder zu wirken, siehe zum Beispiel 17:93). Wenn jedoch die Engel kommen würden, wie von den Mekkaner aufgefordert, dann würde die Sache entschieden und die Frist des Menschen abgelaufen sein (vgl. 6:8 und 15:8). Der Sinn des Glaubens besteht gerade darin zu glauben „bevor die Engel hinabsteigen“.

Frage doch die Kinder Israel!„, sagt Gott. Ihnen sind so viele Zeichen gekommen. Zeichen über Zeichen, Aya für Aya, Prophet nach Prophet (2:211, 6:154 und 7:162). Sie haben aber alle Gunsterweise Gott ersetzt, abgeändert, vergessen, bekämpft, aus dem Leben gedrängt.

So leben auch diejenigen die den Glauben verweigern. Sie finden Gefallen am diesseitigen Leben, am Schmuck, Rausch und dem Bling-Bling. Gleichzeitig machen sie sich lustig über die Gläubigen, die sich weigern dem gleichen Lebenswandel zu folgen (2:212). Aber Gott tröstet diejenigen die Ihn im Bewusstsein halten. Am Tage der Auferstehung werden die Gottesfürchtigen über diesen Leuten sein, denen es Spaß gemacht hat sich im Diesseits über die Gläubigen lustig zu machen. Diese Strafe ist perfekt schuldangemessen (für ein weiteres Beispiel vergleiche 83:29 und 34). Ihre Schuld wird ihnen wie ein Spiegel und vollständig rekompensiert.

Und Gott fügt Seinen Dienern kein Unrecht zu.

Surat Sad – Ayat 41 – 44

Bismillah.

Die folgenden Verse der Surat Sad beschäftigen sich mit der Geschichte unseres Propheten Hiob (as) (auf arabisch Ayyub).

Wenn man sich zunächst überlegt, was man mit diesem Propheten in Verbindung bringt, fallen einem möglicherweise Schlagwörter ein wie: Seine Geduld und seine Standhaftigkeit oder sein Reichtum; denn abgesehen von seinem materiellen Reichtum wie Vieh und Äcker, durfte er sich in vollkommener Gesundheit wissen.

Er wurde von seinen Mitmenschen sehr geschätzt und hatte ein hohes Ansehen bei ihnen.

Hiob hatte eine Frau und viele Kinder und wusste dies sehr zu schätzen. Nie vergaß er Allah für sein Wohlbefinden zu danken, er war ein Diener voller Dankbarkeit gegenüber unserem Schöpfer.

 

Wie jeder Prophet auch, wurde Hiob (as) von Allah geprüft. Allah nahm ihm all sein Hab und Gut, demnach seine Felder, sein Vieh, seine Kinder (die vermutlich starben und/oder zum Teil ihren Heimatort verließen) und schließlich auch seine Gesundheit: Hiob (as) wurde im Alter von 80 Jahren von einer Krankheit heimgesucht, die sich nach außen hin in Form von Geschwüren auf der Haut zeigte. Trotz dieser schweren Zeit in seinem Leben erwies er sich als treuer und dankbarer Diener Allahs.

Als er auch von seinen Mitmenschen, die ihn einst so achteten gemieden wurde, so sprach er zu Allah , wie es in Aya 41 steht (auch in Sura 21, Aya 83 nachzulesen): „Gedenke auch Unseres Dieners Hiob, als er zu seinem Herrn rief: Fürwahr, Satan hat mich mit Unglück und Leid geschlagen.“ Denn der Schaytan versuchte auch Hiob, sowie jeden anderen Menschen, der geprüft wird, irrezuleiten. Es liegt in Schaytans Interesse, den Menschen dazu zu bewegen in schwierigen Situationen aufzugeben und ihn in seiner Traurigkeit versinken zu lassen, denn die Menschen sollen an der Barmherzigkeit Allahs  zweifeln. Der arabische Begriff „Adhâb“ wird im Deutschen unter anderem als die „Entbehrung“ oder das „Alleinsein“ verstanden, es ist die Absicht Satans, dass wir in solchen Situationen mutterseelenallein sind, was uns dazu drängt, aufzugeben.

 

Hiob hat den Versuch des negativen Einfluss Satans auf sich selbst gespürt, sowie jeder Mensch ein Gespür dafür hat und hat Zuflucht bei Allah  vor dem Shaytan gesucht.

 

Dass die Irreführung stets Satans Ziel ist sehen wir auch in der Sura al- A’raf (7), Aya 17, als Satan, nachdem er sich weigerte, sich vor Adam niederzuwerfen, Allah darum bat, ihm Aufschub bis zum Jüngsten Tag zu gewähren, um die Menschen irrezuführen. Er versprach, dem Menschen auf dem geraden Weg aufzulauern und von jeder Richtung über ihn zu kommen. Nur nicht von unten, so meinen einige Gelehrte, denn dass würde bedeuten, dass der Schaytan räumlich „unter dem Menschen“ steht und dazu ist der Schaytan zu arrogant (Hochnäsigkeit ist die Sünde des Teufels, 7:12).

Er würde von rechts kommen, dies ist bezogen auf die guten Taten, die er uns erschwert, um uns vom richtigen Weg abzubringen.

Hier fragt sich der ein oder andere womöglich, wie dies geschehen sollte. Das Stichwort dafür ist die Absicht. Schaytan wird versuchen die Absicht eines Menschen zu verunreinigen, indem er unsere Absicht nicht auf Allah sondern auf andere Menschen lenkt. Ein Beispiel: Ich bete nicht (regelmäßig) zu Hause, gehe aber immer zum Freitagsgebet in die Moschee, denn da sehen mich meine Brüder und Schwestern und denken nur Gutes von mir. Damit verrichtest du das Gebet nicht zu 100% mit der richtigen Absicht (nämlich, dass Gebet ausschließlich für Allah zu beten). Dieses Handeln wird im Arabischen als „Riya“ bezeichnet (z.Dt. Augendienerei) und zählt als kleiner „Schirk“, also die kleine Beigesellung (Sura Kahf (18) Aya 110) Dabei sollte uns immer bewusst sein, dass „Schirk“ die einzige Sünde ist, die Allah  nicht verzeiht.

Satan, wird uns Menschen auch von der linken Seite heimsuchen. Die linke Seite steht für die bereits begangenen Sünden, in die der Teufel uns noch weiter hineinreitet.

Der „Angriff“ des Shaytans von vorne, bedeutet, dass er uns öffentlich zum Schlechten einlädt.

Von hinten schleicht er sich in unser Herz und verleitet uns dazu, Emotionen zu verspüren, die uns von unseren Geschwistern bzw. unserer Gemeinschaft wegführen sollen.

 

Hiob aber war standhaft und ließ sich nicht vom Schaytan beirren, da sein Glaube an Allah  so stark war.

Als Belohnung für seine Geduld und seinen Glauben erlöste Allah  ihn nach sieben Jahren von seiner Krankheit ( zu diesem Zeitpunkt war Hiob bereits 87 Jahre alt), wie es in Sura Sad, Aya 42 steht („Stampfe mit deinem Fuß auf: Hier kommt kühles Wasser zum Baden und zum Trinken!“). Das Wasser, das in dieser Aya erwähnt wird, hatte eine ähnliche Qualität, wie das Zamzam Wasser und befreite Hiob von der Hautkrankheit, die ihn lange Zeit heimgesucht hatte.

In Aya 43 erfahren wir, dass Hiob auch wieder mit seinen Kindern vereinigt wurde, ein weiteres Zeichen der Barmherzigkeit Allahs.

Als Hiob (as) die Jahre von Allah geprüft wurde und sich als geduldig erwies, wurde seine Ehefrau immer ungeduldiger und hatte Zweifel an der Barmherzigkeit Allahs. Dies machte Hiob (as) daraufhin so wütend, dass er schwor, seine Frau zu bestrafen. Diesen Ausspruch bereute er im Nachhinein, musste aber trotzdem seinen Schwur einhalten (Aya 44) und nicht eidbrüchig zu werden. Allah befahl ihm, den Schwur mit einer symbolischen Geste zu erfüllen.

Damit hatte Schaytan seine Wette verloren, denn er sagte, dass Hiob (as) ein undankbarer Diener werden würde, wenn er sein Hab und Gut verlor. Hiob (as) bewies das Gegenteil, denn obwohl er nicht wusste, wie lange seine Prüfung andauern wurde, verlor er nie seine Geduld, seinen Glauben an die Barmherzigkeit Allahs  und begegnete Allah trotz seiner misslichen Lage mit aufrichtiger Dankbarkeit .

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil A)

Bismillah.

In den Ayat 74 bis 182 werden eine Reihe von Prophetengeschichten in verschiedener Länge erzählt wie die der Propheten Noah, Abraham, Moses, Aaron, Elias und Jonas. Die Sura findet sodann ihr Ende, indem sie den falschen Glauben der vorislamischen Mekkaner hinsichtlich der ungesehenen Wesen (Dschinn) und der Engeln abweist.

A. Geschichte der Propheten Noah und Abraham

Zunächst wird die Geschichte von Noah und dem Propheten Abraham, der nach der Aya 83 zu seiner Gemeinde gehörte, erwähnt.

Laut der Aya befand sich Der Prophet Noah in einer sehr schwierigen Lage. Allah der Erhabene hebt sein Ruf und sein Bittgebet hervor und lobt ihn, dass er sich in der Zeit der Verfolgung durch sein Volk an Ihn wandte (vgl. 54:10). Ohne auf die genauen Einzelheiten der Geschichte Noahs einzugehen, sagt Allah, dass Er seinen Diener erhörte und ihn mitsamt seinen Angehörigen aus der schwierigen Lage errettete. Das Ende des Volkes Noahs war nicht etwa, dass das Menschengeschlecht sein Ende fand, sondern dass die gläubige Nachkommenschaft fortan eine feste Stellung auf der Erde entwickelte (37:77).

Deswegen war Noah einer der auserwählten Diener und immer wenn ihr über ihn reden, sprechen wir unsere Friedenswünsche für ihn aus (37:79).

Daraufhin wird die Geschichte des Propheten Abraham erläutert. Sein Leben können wir in drei Phasen einteilen: erstens in die Phase seiner Jugend, als er unter seinem glaubensverweigerndem Volk lebte; zweitens in die Phase seiner Auswanderung und seiner Heirat; und letzlich in die Phase seiner Vaterschaft.

In der Sura as-Saffat wird auf eine grandiose Weise die erste und dritte Phase seines produktiven Lebens beleuchtet.

Abraham war ein Mensch mit heilem Herzen (37:84). Er hatte also keines der Krankheiten in sich, die den Menschen oft plagen und vor allem hat er niemals das Anliegen Beigesellung zu betreiben. Folgerichtig streitet er mit seinem Volk um ihnen den Eingottglauben nahezubringen (37:84-86). Als er jedoch merkt, dass eine rein verbale Auseinandersetzung nichts bringt, schmiedet er einen bestimmten Plan und setzt seinen Plan in die Tat um. Er besteht darin, dass er in den Götzentempel eindringen und alle Bildnisse zerstören möchte (vgl. 21:57). Um dieses Vorhaben im Alleinsein zu realisieren entschuldigt er sich gegenüber seinem Volk, dass er sich nicht wohl fühle (37:89), sodass sein Volk ihn zurücklässt und ohne ihn zum Fest aufbricht.

Diese Aussage Abrahams („Gewiß, ich fühle mich nicht wohl“) hat die Gelehrten dazu veranlasst darüber nachzudenken, ob Abraham nicht eine „Notlüge“ gebraucht habe um sich dem Zugriff seines Volkes zu entziehen. Ohne die in diesem Zusammenhang zitierten Überlieferungen die in genauer zu benennen, können wir sagen, dass der Ausdruck „Innī saqīm“ (إِنِّي سَقِيمٌ) anders als etwa „marīḍ“ (مَرِيض) wohl weniger einen krankhaften Zustand im medizinischen Sinne als vielmehr – wie bereits gesagt – ein Unwohlsein ausdrückt[note]Linguistisch wird insofern eine Unterscheidung gemacht, als dass marīḍ eine vorübergehende und saqīm eine anhaltende Krankheit beschreibt; doch weisen die Sprachwissenschaftler darauf hin, dass auch eine schwache und schwachsinnige Rede mit diesem Ausdruck beschrieben wird (كلامٌ سقيمٌ) und dass man auch sagt, die Liebe hat ihn krank gemacht (أسقَمَه العِشْق) oder er empfindet Bosheit für seinen Bruder in seiner Brust (هو سقيمٌ الصّدْر علي أخيه).[/note]. Ohne Zwang können wir deshalb annehmen, dass dieses Unwohlsein von der Beigesellung seines Volkes herrührt und damit für uns die Diskussion über die „Notlüge“ in den Hintergrund rückt.

Die Sprache des Qur’âns zeigt uns, dass er sehr frustriert gewesen sein muss und dass er diese Option der Zerstörung der Götzen als seine allerletzte Möglichkeit sah.

Als sein Volk dann zu einem großem Fest verschwindet und er allein ist, geht er mit einer Axt in den Tempel und zerstört alle Götzen im Tempel. Zum Schluß bindet er dem größten Götzen die Axt um den Hals (37:88-93) und verlässt den Ort des Geschehens. Alsbald kehren die Bewohner der Stadt zurück und erkennen nach kurzen Überlegen in Abraham den Urheber der Zerstörung (vgl. 21:60-61). Obwohl Abraham mit ihnen weiter argumentiert und sie zum Nachdenken bringen will (und insoweit provokativ zu Protokoll gibt, dass die Zerstörung wohl von diesem Götzen mit der Axt um den Hals stamme), will sein Volk nicht bedenken und ihn schließlich umbringen.

Sie richten für Abraham einen Bau (بُنْيَانًا) her um ihn der Todesstrafe durch Verbrennen zuzuführen. Für uns im europäischen Kontext kommen an dieser Stelle Erinnerungen an Scheiterhaufen auf. Doch Allah der Erhabene macht das Feuer kalt und heil für Abraham (vgl. 21:69), sodass dieser die Strafe unversehrt überlebt.

Ohne Unterbrechung springt hier die qur’ânische Rede, nach der Auswanderung Abrahams, zu einer der bedeutendsten Episoden im seinem Leben: nämlich zum Befehl Gottes seinen Sohn als Schlachtopfer darzubringen, nachdem Abraham bereits im hohen Alter die Vaterschaft durch die Gnade Gottes erhielt. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob der erstgeborene Sohn Ishaak oder Ismael war. Wir wollen uns jedoch wegen 21:85 an die Meinung halten, dass es hier um Ismael geht.

Es wird erzählt, dass der Befehl Gottes Abraham im Traum ereilte, als Ismael „das Alter erreichte, daß er mit ihm [also Abraham] laufen konnte“ (فَلَمَّا بَلَغَ مَعَهُ السَّعْيَ). Diese Wendung soll ausdrücken, dass Ismael bereits ein gewisses Alter erreicht hatte, sodass er beim Tagewerk seines Vaters zur Hand gehen konnte.

Sodann erzählt Abraham seinem Sohn, dass er im Traum gesehen habe, dass er ihn schlachte (37:102)[note]Es ist im Wortlaut des Qur’ân offengelassen, ob Abraham im Traume die Schlachtung durchführte oder lediglich zur Tat ansetzte. Doch die frohe Botschaft der Erfüllung des Traumes in 37:105 spricht dafür, dass er im Traum das Messer angesetzt und mit der Nachahmung im wirklichen Leben insofern den Traum erfüllt hat. Parallel dazu zu der Frage, ob der Prophet im Traum Mekka vor dessen Einnahme ganz betreten oder dazu angesetzt hat, vergleiche bitte mit 48:27.[/note]. Es folgt damit dem Prinzip der gegenseitigen Beratung und will somit seinem Sohn vorab mitteilen, welche schwierige Aufgabe ihm aufgegeben wurde. Doch Ismael, und dies spricht für seine geistige Reife, will sich dem Befehl Gottes beugen und meint, dass sein Vater das machen soll was ihm aufgetragen wurde. Er werde ihn, gemäß Gottes Gesetzmäßigkeiten, unter den Standhaften finden.

Die folgenden Âyât erzählen in charakteristisch knapper Form davon, was danach geschah: Ismael legt sich hin und lässt seinem Vater freien Lauf auf dass er seine Aufgabe vollbringe. Die Überlieferungen sprechen davon, dass Abraham sein Messer ansetzte und als er schneiden wollte, das Messer stumpf beziehungsweise der Hals Ismaels metallen wurde. Darauf kommen Engel herab und verkünden dass der Traum bereits wahr gemacht wurde und ein Widder wird gesandt, um an Statte des Ismael geopfert zu werden.

Also hatte Abraham mit der Entschlossenheit diese schwierige Aufgabe auszuführen seine Gottergebensheit bereits vollumfänglich bewiesen. Es war nicht weiter nötig, dass Menschenblut vergossen werden sollte.

Diese Geschichte der Opferung von Abrahams Sohn dient hernach als ein Sinnbild für das Gottvertrauen und die Ergebenheit eines Gottergebenen. Allah selbst bezeichnet in 16:120 Abraham als eine Gemeinschaft (d.h. er entsprach in seinem Glauben einem Kollektiv von Menschen). Wie bei den anderen Propheten wird ein Friedenswunsch über ihn gesprochen (16:108-109).

Das Judentum, das Christentum und der Islam nehmen in Anspruch auf diesen großartigen Menschen ihre Wurzeln zurückführen zu dürfen. Insoweit spricht man auch von den „abrahamitischen Religionen“. Aus qur’ânischer Perspektive verschleiert dieser Begriff, dass Abraham in Wirklichkeit Gottergebener, also Muslim im Wortsinne war, und nicht zu den Beigesellenden gehörte (vgl. 3:67). Herausgestellt werden muss, dass er in seiner Anbetung immer rein gegenüber Allah und ein Sucher der Wahrheit war.

Viele Philosophen und Theologen haben sich über die Geschichte Abrahams Gedanken gemacht (exemplarisch sei an dieser Stelle an die Deutung Søren Kierkegaards in seinem Frygt og Bæven verwiesen). In der Neuzeit kamen Zweifel darüber auf, ob dieser Befehl Gottes in Übereinstimmung mit dem ist, was Er, der Erhabene, selbst von den Menschen verlangt. Es wurden Betrachtungen angestellt darüber, ob hier in dieser Geschichte der Schlachtung vom Sohn Abraham ein unmoralisches und Abwägen zwischen Menschenleben und Gottergebenheit stattfindet.

Diese vorgenannten Gedankengänge verkennen folgendes: Dieser Befehl erging nicht von irgendwem, sondern von Schöpfer und Herrn der Welten. Der Verstand eines Gottergebenen wird keinen Widerspruch sehen in einem moralischen Verhalten und der Ausführung der Befehle Gottes.

Der Prophet Abraham und der Prophet Ismael dienen für uns als leuchtende Beispiele, die für uns den Weg der Geduld und der unbedingten Ergebenheit aufzeigen.

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil B)

Bismillah.

In den nachfolgenden Âyât begegnen uns nach der Geschichte von Noah und Abraham (siehe Teil A) die Propheten Moses, Aaron und Elias. Während Moses und Aaron an vielen Stellen in der Offenbarung erwähnt werden, ist Elias doch eher weniger bekannt.

Wir werden uns nun anschauen, was Allah der Erhabene über diese Propheten sagt.

B. Die Propheten Moses, Aaron und Elias

Moses und Aaron, möge Gott ihnen Frieden schenken, werden mit den Worten „Und wir erwiesen bereits Moses und Aaron eine Wohltat“ (37:114) in der Sura as-Saffat eingeführt. Wenn wir an die Wohltaten Allahs gegenüber Moses und Aaron denken, so kommt uns zunächst die Prophetenschaft selbst in den Sinn, die Religion der Gottergebung und schließlich auch die Erretung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft des despotischen Pharao. Und genau letzteres, meint Allah, wenn er von der Wohltat spricht (37:115) [note]Interessant zu wissen ist, dass hier das Wort das als „Wohltat“ oder „Gunst“ übersetzt wird von der Wurzel (م ن ن) kommt und der Begriff des Himmelsbrots Manna, dass das Volk Israels als eine Gunst von Allah erhielt, ebenso von derselben Wurzel stammt (2:57 und 20:80). Somit lässt sich al-Manna als die Gunst selbst verstehen[/note].

Es wird also hier die großartige Errettung des Volkes Israel in Erinnerung gerufen, als sie aus dem Lande Ägyptens auswanderten, eine Hidschra (= Auswanderung für den Islam) unternahmen, um die einzige Gottheit in Frieden anzubeten zu können (genauer zu den Geschehnissen siehe die 20:77-86 und 26:52-68).

Und diese Erretung war laut Allah ein Sieg und ein Triumph, außerdem auch die Thora die Moses erhielt und viele Propheten des Volkes Israels nach ihm. Die Offenbarung Mose wird mit einem Wort beschrieben, dass so einmalig im Qur’ân ist, nämlich „al-mustabin“ (الْمُسْتَبِينَ). Welche Bedeutung hat dieses Wort?

Dieses Wort stammt von der Wurzel (ب ي ن) und drückt Deutlichkeit und Verdeutlichung aus. Am häufigsten kommen Variationen dieses Wortes in der Form „mubin“ (مُّبِين) vor, dass ebenso als „deutlich“ übersetzt werden kann. Folglich sagt uns die Gottheit in 37:117, dass die Offenbarung von Moses, genauso wie die Offenbarung Muhammed Richtlinien für uns aufstellt, uns den Weg zum Erfolg zei gt und ein klares Seil ist, woran man sich festhalten kann. Die Botschaft ist klar: Die Errettung aus der Gefangenschaft Pharaos war der äußere Erfolg, die Krönung kam jedoch gleichsam als ‚innerer Erfolg‘ durch Herabsendung der klaren Handhabe der Offenbarung!

Abgeschlossen wird diese Passage über Moses und Aaron wieder mit den Friedenswünschen über beide, von heute bis zum Ende der Zeit (37:120-121).

Die nächste Prophetengeschichte in der Sura as-Saffat führt uns zurück zu den Ursprüngen des Volkes Israel. Die Geschichtsschreibung sagt uns insoweit folgendes: David und später sein Sohn Salomon beherrschten als Prophetenkönige das Königreich Israel. Nach dem Tode Salomos begannen Spannungen aufzutreten, der Sohn Salomons kam nicht an die Qualität seines Vaters heran, sodass das Königreich anfing zu zerfallen. Nach einiger Zeit war Israel schließlich gespalten in ein nördliches Israel und das südliche Juda.

Der König Ahab, der in Juda regierte, heiratete alsdann – dem göttlichen Verbote zum Trotz – mit der Prinzessin eines benachbarten, beigesellenden Reiches. Durch diese Prinzessin kam nach Juda die Beigesellung und damit ein Götze namens Baal.

Sehr viele Völker kannten durch die Geschichte hindurch einen Götzen namens Baal. Wir können diesen Götzen in unserem europäischen Raum mit Zeus vergleichen, der jedem bekannt sein dürfte. Baal war also, ähnlich wie Zeus, eine Obergottheit.

In dieses Volk Judas wurde dann der Prophet Elias gesandt (siehe ab 37:123). Er forderte sein Volk zum Gottesbewusstsein auf (37:124) und fragt sie, wie sie denn allen Ernstes die einzige Gottheit für eine illusorische Gottheit verlassen können (37:125)? Er nennt den Götzen beim Namen, ähnlich wie Allah die Götzen der vorislamischen Mekkaner (53:19-20) oder des Volkes Noahs (71:23) beim Namen nennt.

Danach erinnert er sie daran, dass die einzige Gottheit, auch die Gottheit ihrer Väter und Großväter war (37:126). Die Reaktion war entsprechend der Erfahrungen der vorangegangenen Propheten nur, dass sie ihn der Lüge beschuldigten (37:127). Möglicherweise wurden sie vernichtet, doch der Name des Propheten Elias dauert fort und wird nicht genannt, ohne dass wir Frieden über diesen edlen Menschen aussprechen (37:129-130). Nur an dieser Stelle erhalten wir in der letzten Offenbarung Gottes Informationen über Elias. An anderer Stelle taucht er in der Reihe der anderen großartigen und vorbildlichen Personen der Vergangenheit auf (6:85f).

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil C)

Bismillah.

Nach den Propheten Noah, Abraham, Moses, Aaron und Elias wollen wir in dem letzten Teil der Niederschrift noch einen Blick auf die Propheten Lot und Jonas werfen und sodann diese Sura mit der Passage über die Zurückweisung des falschen Engelglaubens abschließen (37:133-182).

C. Die Propheten Lot und Jonas

Der Prophet Jonas mit den Worten vorgestellt, dass Allah sagt, dass er doch gewiß zu den Gesandten gehörte (37:133). Ähnlich wie oben bei der Geschichte von Noah wird der Abschluß seiner Gesandtschaft dargestellt – nämlich mit der Rettung der Gläubigen und der Vernichtung der Ungerechten (37:134-136).

Diese Rettung Lots und seiner Anhänger vollzog sich am frühen Morgen, als auf die Bewohner der frevelnden Stadt ein Steinregen herabprasselte (vgl. 54:34:55). Sie hatte durch ihre sexuellen Übergriffe unter Einheimischen und Auswärtigen den Boden des Rechts und Ordnung vollständig zersetzt (vgl. 27:54-55). Ausdrücklich wird Lots Frau unter denjenigen erwähnt die zurückgelassen wurden (37:135). Sie hatte den Glauben verweigert und mit der Ungerechtigkeit ihrer Mitmenschen gemeinsame Sache gemacht – deswegen wird sie auch in 66:10 als ein Negativbeispiel für Ehefrauen aufgeführt.

Sodann wird die Ansprache an die vorislamischen Araber gerichtet: „Ihr kommt ja an ihnen vorbei, bei Tagesanbruch und bei Nacht. Begreift ihr denn nicht?“ (37:137-138) Und tatsächlich war es so gewesen, dass die ersten Adressaten des Qur’ân im Rahmen ihrer Handelsreisen an den Ruinen dieser Prophetenstädte vorbeikamen[note] Es wird gesagt, dass sich Sodom & Gomorrha am Fuße des Toten Meeres befand.[/note]. Sie wussten um diese Propheten und es war ihnen wohlbekannt, dass Allah diese Städte zerstört hatte. Insofern spricht Allah hier an das kollektive Bewusstsein der vorislamischen Araber. Sie sollen nicht die gleichen Fehler begehen und die Grenzen überschreiten.

Last but not least wird in der Sura as-Saffat der Prophet Jonas erwähnt. Wie auch die andere Propheten hatte er unter seinem Volk einen lange, beschwerliche Zeitraum mit der Einladung zum Islam zu bestehen. Das Besondere an ihm war, dass er sich nach dieser Phase eigenständig entschied, dass es nichts mehr bringt weiterzumachen. Er befürchtete die nahende Strafe Gottes und machte sich auf dem Weg um zu einem anderen Ort auszuwandern und verließ seine gottgegebene Mission.

An dieser Stelle beginnt hier die Rede Gottes. Als nämlich Jonas zum vollbeladenen Schiff lief um zwischen sich und Ninive einen großen Abstand zu lassen, geriet sein Schiff in Seenot (37:139-141). Die Matrosen merken, dass es sich um einen außergewöhnlichen Sturm handelt und ziehen Lose, um den Schuldigen für dieses Unglück zu finden. Als die Lose auf Jonas fällt, werfen sie ihn letzten Endes über Bord (37:141).

Dieser Prophet, der nun eine lange Zeit in seinem Volk verbracht und sie äußerst frustiert verlassen hatte, befindet sich nun in einem großen Fisch und befindet sich einem Zustand der Abgeschiedenheit und des Bedauerns (7:142). In der Dunkelheit sieht er seinen Fehler ein und ruft aus: „Es gibt keine Gottheit außer Dir! Wie perfekt bist Du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“ (vgl. 21:87-88). Allah erhört ihn und der große Fisch spuckt ihn auf eine kahle Landstelle, wo er sich nach einer Weile erholt (37:144-145). Nachdem er die reuige Umkehr zu Allah vollzogen hat, kehrt er nach Ninive zurück und rettet nicht nur sich, sondern auch sein Volk (vgl. 10:98). Diese wären ohne die Anstrengungen Jonas‘ dem Unrecht erlegen und hätten sich die Strafe Gottes erworben. Doch am Ende sahen auch sie ihre Fehler ein und besserten sich (37:147).

Die beiden Geschichten von Jonas und Lot zeigen uns jeweils nur das Ende einer Gesandtschaft die in beiden Fällen gemäß auch der Gesetzmäßigkeit Allahs immer ein Happy End für die Glaubenden ist. Das Beispiel Lots ist das eines Volkes die nicht aufhören Unheil auf der Erde anrichten und sich leichtfertig in Gefahr begeben selbst von den bösen Auswirkungen ihrer Taten heimgesucht zu werden. Diejenigen jedoch, die sich dem Unrecht entgegenstellen werden innerhalb des Kollektivs von der Strafe Gottes ausgenommen. Alles andere wäre wiederrum Unrecht: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, kann auch nicht belangt werden. Wer jedoch die Rechte der Menschen mit den Füßen tritt, der wird wie einer sein der von seinen eigenen bösen Taten wie ein Bumerangwerfer eingeholt wird – und auch wenn er die Ehefrau eines Propheten sein sollte.

Der edle Prophet Jonas zeigt uns, dass es auf dem Weg zur Umsetzung der göttlichen Befehle holprig und steinig werden und dieses Gefühl der Frustration jeden einholen kann. Falsch wäre es jedoch, wegen der äußeren widrigen Umstände einfach aufzugeben. Denn du weißt nicht wie nah du deinem Ziel bist. Wenn du jedoch einseitig deine Anstrengungen aufgibst, so wirst du im schlimmsten Fall die Früchte deiner Bemühungen nicht ernten können. Um auf den rechten Pfad zurückzukehren bedarf es nur eines Ausspruchs: „Es gibt keine Gottheit außer dir! Wie perfekt bist du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“

Damit richtest du dein Begehren zunächst einzig auf Allah aus. Danach erkennst du die Größe, Perfektion und Erhabenheit der einzigen Gottheit und dass deine Anstrengung zu Ihm, erhaben sei Er, nur winzig ist. Und abschließend legst du deine Schwächen offen, indem du bekennst, dass du als Mensch fehlerhaft bist. Diese Schritte müssen vollzogen werden um eine Rekalibrierung vorzunehmen.

So finden die Prophetengeschichte vorliegend ihr Ende.


Zum Abschluß der Sura as-Saffat sollen nur einige Punkte hervorgehoben werden (37:149-182). Die vorislamischen Araber stellten zwischen Gott und den Engeln eine Verwandtschaftsbande her und begründeten dies mit innerhalb ihres Glaubens. Diese religiöse Annahme weist Gott selbst entschieden zurück (37:151-152). Sie würde implizieren, dass Gott eine menschliche Eigenschaft hat und dies widerspricht dem Gedanken der Perfektion Gottes.

Er, der Erhabene, fordert sie auf Beweise zu bringen und sagt im Grunde folgendes: „Entweder habt ihr selbst die Erschaffung der Engel gesehen, seid also Augenzeugen, dann könntet ihr ein Beweis erbringen. Oder aber ihr habt eine schriftliche Versicherung von mir, dass diese Annahme stimmt. Wenn das so ist, dann bringt sie hervor!“ (vgl. 37:150-157). Freilich basierte dieser Glauben der Araber auf einem Hirngespinst.

Die Engel aber, und insoweit sind sie nicht anders als andere Geschöpfe, werden am Tage der Auferstehung versammelt sein und vor Gericht Aussagen zu machen haben (vgl. z.B. 34:34:40-41). Außerdem können nicht von der Stellung ausbrechen, die ihnen Allah gewährt hat (37:164-167). Und damit schließt sich der Kreis und die Sura über die sich Reihenden nimmt ihr Ende.

Genauso wie die Gläubigen ihre Plätze einnehmen (siehe bereits 37:1-3), so nehmen auch die Engel ihre Plätze ein. Ungerechtigkeit (arab. Zulm) entsteht erst, wenn der Mensch einer Sache nicht ihren gebührenden Platz gibt. Sei es die Stellung Gottes, der Engel, der Propheten oder des Menschen selbst.

Somit vermittelt die Sura as-Saffat am Ende mit ihrer fulminanten Lobpreisung Gottes, den Friedenswünschen auf den Besten der Besten und dem Dank gegenüber dem Schöpfer (37:180-1802) vor allem eins: das Bild der ausgeglichenen Harmonie.

Surat Sad – Ayat 17 – 26

Bismillah.

In den Ayat 17 bis 26 geht es um den Propheten David  (Dawud).

In Aya 17 spricht Allah zum Propheten Muhammed (sas) und sagt sinngemäß: „Ertrage standhaft was sie sagen. Und gedenke Unseres Dieners Dawud, des Kraftvollen.  Gewiss er war immer Umkehrbereit.“

Nun stellt sich die Frage, was der Prophet (sas) standhaft ertragen soll. Die Antwort darauf findet man in Ayah 16: „Und sie sagen: „Unser Herr gib uns schnell unser Buch noch vor dem Tag der Abrechnung“. Sie hatten sich lustig über den Tag der Auferstehung gemacht und wollten ihre Strafe schon vorher bekommen, als Beweis der Glaubwürdigkeit des Propheten (sas). Da der Prophet zu seinen Lebzeiten kein Beispiel hatte, an das er sich in schwierigen Situationen orientieren konnte, offenbarte ihm Allah immer wieder Beispiele durch die Geschichten der früheren Propheten, die oft in der gleichen Situation steckten wie er.

Es ist bekannt das David eine starke Persönlichkeit hatte und gewiss immer Umkehrbereit war. Das bedeutet, dass er immer bereute und zu seinem Herrn auf den geraden Weg zurückkehrte.

„Wir machten ja die Berge dienstbar, dass sie mit ihm zusammen abends und bei Sonnenaufgang (Allah) preisen. Und auch die (in Scharen) versammelten Vögel. Alle waren immer wieder zu ihm umkehrbereit.“ (38:18,19) Dawud (as) hatte als Offenbarung die Psalme bekommen. Diese hatten wenige rechtliche Komponente und waren eher mit der Lobpreisung Allahs gefüllt. Er rezitierte die Offenbarungen zusammen singend mit den Vögeln und den Bergen. Sie waren seinem Befehl folgend, immer wieder Allah zu preisen. Er hatte die besondere Gabe, das Preisen der Natur, und auch die der Tiere zu verstehen. In Sura 17, Aya 44 wird noch einmal deutlich, dass die gesamte Schöpfung Allahs, Allah lobpreist und das es absolut nichts gibt, das Ihn nicht lobpreist.

„Und wir festigten seine Herrschaft und gaben Ihm die Weisheit und die Entschiedenheit im Spruch.“ (38:20) David war ein König in seinem Land und hatte die Fähigkeit deutlich, gut und entschieden zu sprechen. Dadurch hatte er die Menschen mit seiner Rede berührt. Er hat seine Herrschaft dazu genutzt Allah zu dienen. Auch David betete wie alle anderen Propheten viel. Auch die Tahajjud Gebete, die für alle Propheten verpflichtend war, ließ er nie aus.

Ist zu dir die Kunde von den Widersachern gekommen? Als sie über die Mauern in die Andachtsräume einstiegen.“ (38:21) Der Prophet Dawud hatte mit dem Propheten Salomon veranlasst den ersten Tempel zu bauen. Dieser war so gebaut, dass es kaum möglich war in die Gebetsstätte Davids einzudringen. Doch genau dies passierte und plötzlich standen zwei Widersacher (zwei streitende Menschen) vor David (as).

„Als sie bei Dawud eintraten. Da erschrak er vor ihnen. Sie sagten „Fürchte dich nicht. (Wir sind) zwei Wiedersacher, von denen der eine den anderen unterdrückt hat. So urteile zwischen uns der Wahrheit entsprechend, handle nicht ungerecht und führe uns zum rechten Weg. Dieser da, mein Bruder, hat neunundneunzig weibliche Schafe, ich aber (nur) ein einziges Schaf. Dann sagte er: „Vertraue es mir an, und er überwand mich in der Rede.“ Er sagte: “ Er hat dir Unrecht getan, dass er dein Schaf zu seinen Schafen hinzu verlangte. Gewiss, viele von den Teilhabern begehen gegeneinander Übergriff, außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun – und das sind nur wenige.“ Und Dawud verstand, dass Wir ihn nur der Versuchung ausgesetzt hatten. Da bat er seinen Herrn um Vergebung und fiel in Verbeugung nieder und wandte sich (Ihm) reuig zu. “ (38:22,23,24) Die zwei Widersacher baten Daavid um ein Urteil der Wahrheit (nach Prinzipien der Offenbarung) entsprechend in ihrer Angelegenheit, da er ein König und der oberste Richter in seinem Land war. Sie schilderten ihm, dass der eine den anderen unterdrückte, in dem derjenige mit den 99 Schafen, demjenigen mit nur einem Schaf einredete, ihm sein einziges Schaf anzuvertrauen. Nun fühlte sich der Widersacher der nur ein Schaf besaß ungerecht behandelt. David gab ihnen ein Urteil (Ayah 24), dass der Widersacher der nur ein Schaf besaß, ungerecht behandelt wurde. Doch sofort bemerkt David, dass es sich bei den zwei Widersachern um Engel handelt, die Allah ihm zur Prüfung sandte. Als er bemerkte, dass er sich nur eine Seite von zweien angehört hatte, und somit einen Fehler begangen hatte fiel, er sofort als ob er von einem Blitz getroffen wurde in Verbeugung nieder und bat um Vergebung. In dieser Ayah ist es offensichtlich, wie schnell David Reue zeigt, und umkehrbereit ist. Dies ist ein Zeichen seiner starken Persönlichkeit, denn nicht jedem fällt es so leicht seine Fehler sofort einzusehen. Dieses Geschehen nimmt Bezug auf eine fundamentale Sache in unserem Leben. Es geht um das fällen von Urteilen anderer Personen ohne die Hintergründe der Person zu kennen. Wir dürfen im Urteilen nicht zu voreilig handeln.

„Und so vergaben Wir ihm dies. Für ihn wird er fürwahr (den Zutritt in) Unsere Nähe und eine schöne Heimstatt geben. O Dawud, Wir haben dich zu einem Nachfolger (früherer Herrscher) auf der Erde gemacht. So richte zwischen den Menschen der Wahrheit entsprechend und folge nicht der Neigung, auf dass sie dich nicht von Allahs Weg abirren lässt, denn für diejenigen, die von Allahs Weg abirren, wird es strenge Strafe dafür geben, dass sie den Tag der Abrechnung vergessen haben.“ (38:25,26) In Aya 26 wird David noch einmal von Allah darauf hingewiesen als Chalifa (für eine Erläuterung dieses Begriffes, siehe hier) in Gerechtigkeit, nach den Prinzipien der Offenbarung, und nicht nach Neigungen zu richten. Auch dies lässt sich natürlich auf die heutige Zeit übertragen.

Der Begriff Chalifa im Qur’an

Bismillah.

Der nachfolgende Text soll den arabischen Begriff Chalifa (Plural: Chulafa und Chalaif) in den Zusammenhängen erklären, in denen dieser Begriff im Qur’an auftaucht.

Grundsätzlich kennen wir diesen Begriff aus der Geschichte von der Erschaffung der ersten Menschen Adam und seiner Frau Eva (>>Und als dein Herr zu den Engeln sagte: „Ich bin dabei einen Chalifa, auf der Erde einzusetzen […] „<<, 2:30). Hierbei ist der direkte Zusammenhang von Chalifa mit Adam und Eva gemeint.

Außerdem verwendet Allah u.a. den Begriff Chalaif ([6:165], [27:62], [35:39]) und bezieht es auf die ganze Menschheit.

Weiterführend wird es in Bezug auf eine Nachfolge eines benannten Volkes benutzt ([7:69], [10:14]).

Unter anderem wird auch der Begriff Chalîfa auf eine einzelne Person, den Propheten David bezogen (38:26).

Chalifa kommt von der Wurzel (خ ل ف ) und hat drei primäre Bedeutungen:

Erstens: Die Bedeutung des Nachfolgers. Nachfolger ist jemand, der einem anderen in der Abfolge ersetzt. Als Beispiel ist das Prinzip des Familienoberhauptes geeignet. Sobald das Familienoberhaupt stirbt, muss er einen Nachfolger ernennen, also der nächste Chalifa.

Bei dieser Bedeutung ist das Weitergeben der Verantwortung gemeint.

Zweitens: Die Bedeutung, dass jemand, der in Leitung von etwas betraut worden ist. Dies bedeutet soviel wie, dass der/die Chalifa wurde mit einer Aufgabe beauftragt, jedoch ist es ihm/ihr überlassen, dieser Aufgabe nachzugehen. Er/Sie kann machen was von ihm/ihr verlangt worden ist oder er/sie kann es unterlassen. Allah sagt also in der Sura al-Baqarah, dass Er jemanden auf die Erde schicken wird, der seine Entscheidungen selbst fällen wird. Das heißt, jeder der die Entscheidung hat, zwischen gut und falsch zu wählen, ist ein Chalifa.

Drittens: Die Bedeutung der Verantwortung und zwar in dem Sinne, die Verantwortung über eine bestimmte Sache von jemanden anderen zu bekommen.

Dies ist auf gar keinen Fall mit Eigentumsrecht zu verwechseln, denn wenn jemanden Verantwortung übergeben wird, muss er es am Ende auch weitergeben. Man ist also nicht im Besitz dieser Verantwortung. Manche Leute gehen davon aus, dass einem alles gehört, was man verfügt. Doch im Islam ist es anders, jeder Mensch, der versteht, dass er ein Chalifa ist, weiß das ihm im Grunde gar nichts gehört.

Dieses Prinzip ist auch in der Wirtschaft zu finden, welches Eigentumsrecht und Verfügungsrecht heißt. Wir haben lediglich nur das Verfügungsrecht über eine Sache, jedoch gehört sie uns nicht, sondern Allah. Wir sind sogar soweit entfernt davon das Eigentum von etwas zu besitzen, da wir sogar unseren eigenen Körper zurückgeben müssen.

Zusammengefasst:

Chalifa bedeutet also zum einen jemandes Nachfolge antreten, zum anderen jemand dem die Freiheit gegeben worden ist Entscheidungen zu fällen und zuletzt jemand, dem die Verantwortung überreicht worden ist.

Surat Sad – Ayat 1 – 16

Bismillah.

Die Surat Sad beschäftigt sich im Allgemeinen damit, wie wichtig es ist Reue zu zeigen, wenn man eine schlechte Tat begangen hat. Der erste Vers der Surat beginnt mit dem arabischen Buchstaben „Ṣād“ und einem Schwur auf den Qur‘anBeim Qurʾan, voll der Ermahnung!“ Hier möchte uns Allah aufmerksam machen, dass der Qur’an eine Erinnerung und eine Würde für die Menschheit ist. Er ist wie ein Freund für uns, der nur Gutes bringt und uns ermahnt, wenn wir etwas Falsches machen (ähnlich: „Bei dem weisen Qurʾan“ 36:2). Der Qur’an ist sozusagen nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv zu betrachten, denn er kann je nachdem, wie es vom Individuum benutzt wird, auf Rangstufen erhöhen oder erniedrigen. Die Surat hat vom Stil her Ähnlichkeiten mit der Surah Qaf-„Qāf. Bei dem ruhmvollen Qurʾān!“ (50:1).

In den nächsten Versen redet Allah über die Mekkaner, die sich gegen den Propheten Muhammad (sas) richten, und ihn als Zauberer beschuldigen (38:4,5). Sie finden es verwunderlich (36:5), dass Rasulullah sie zum Monotheismus ruft und die Götter zu einem einzigen Gott macht (ähnlich: [10:02], [07:67]. Danach sagen sie, dass sich die Menschen weiterhin beharrlich an ihre Götter festhalten sollen (36:6). Es erschließt sich, dass das arabische Wort „Sabr“ nicht nur für etwas Nützliches bzw. Gutes benutzt wird. Außerdem finden sie es absurd, dass die Prophetenschaft ausgerechnet an den Propheten (sas) verkündet wurde, und nicht an eine andere mächtigere und angesehenere Person aus ihrer Mitte (36:8) (ähnlich: [38:15], [43:31], [25:41]).

Es war ihnen klar, dass der Prophet (sas) der vertrauenswürdigste Mensch zu jener Zeit war, jedoch versuchten sie ihn als Zielscheibe für ihren Spott gegenüber Allahs Botschaft , zu benutzen. Also machten sie sich zwar lustig um Rasulullah und seine Person, insgeheim waren sie jedoch, wie Allah es eindeutig sagt, im Zweifel über Seine Ermahnung! (38:8). Allah jedoch verspricht dem Propheten (sas), dass Er sie vor den Menschen beschützen wird und er weiterhin Seine Botschaft verkünden soll (5:67). In Vers 9 und 10 möchte Allah betonen, dass Er ganz bewusst Rasulullah als Prophet erwählt hat (eigene Kriterien, zB. Ehrlichkeit, kein Götzenanbeter), und nur Er die Weisheit und Barmherzigkeit hat zu wissen und entscheiden zu können, wer der richtige für die Prophetenschaft, und somit auch für die Menschheit ist.

Allah gibt in den nächsten Versen Beispiele von Völkern (38:12, 13,14) (Volk Nuh und Fir’aun Besitzer der Pfähle gemeint sind die Pyramiden, Lut, Suhaib, Salih), die, wie die Mekkaner, die Gesandten zur Lüge bezichtigt haben und später ihre gerechte Strafe bekommen haben. Weiterhin sagt Er, dass die Mekkaner wohl den Ruf erwarten, nach dem es im Diesseits kein Wiedererwachen geben wird (38:15), denn auch im nächsten Vers (16) wird klar, dass sich die Glaubensverweigerer lächerlich gegenüber Allahs Ermahnung machen, und die angekündigte Strafe sehen möchten, weil sie nicht glauben, dass Allah sie durch ihr Gespött, bestrafen wird.

Seite 7 von 8

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén