Bismillah.

Die Kommunikation durch Soziale Medien im Internet ein relativ neuartige Art der Mitteilung. Wir stehen vor der Herausforderung uns mit den Problemen der (scheinbaren) Anonymität und mit der binären Logik des Gelikt-Werdens (Gemochtwerdens) und der Nichtbeachtung . Es wurden schon einige Studien zum Einfluss auf die Psyche unternommen.
Aber das Phänomen sollte von uns auch immerwährend aus der Perspektive des islamischen Bewusstseins betrachtet werden. Dafür wollen wir uns die Texte aus Qur’ân und Sunna anschauen.

Hierzu nachfolgend ein Beitrag von Yasmin Mogahed. Sie soll für eine weitere Hinführung zu dieser Thematik dienen.

„Facebook verstärkt auch einen anderen gefährlichen Fokus: den Fokus auf andere Leute, was sie tun, was sie mögen. Was sie von mir denken. Facebook befördert die Beschäftigung damit wie andere Leute mich bewerten. Ohne zu merken betrete ich die Umlaufbahn der Schöpfung. Innerhalb dieser Umlaufbahn werden meine Definitionen, mein Schmerz, meine Freude, mein Selbstwertgefühl, mein Erfolg und mein Scheitern von der Schöpfung bestimmt. Wenn die Leute mich mögen bin ich oben. Wenn nicht, dann falle ich. Wo ich stehe wird von den Leuten bestimmt. Ich bin wie ein Gefangener, weil ich die Schlüssel zu meinen Glück, zu meiner Traurigkeit, meinem Erfülltsein und Enttäuschtsein den Leuten gegeben habe.

Wenn ich erst einmal die Umlaufbahn der Schöpfung – statt der Gottes – betrete, beginne ich diese Währung zu benützen. Denn die Währung der Umlaufbahn Gottes ist: Sein Wohlgefallen oder Sein Missfallen, Seine Belohnung oder Seine Bestrafung. Aber die Währung der Umlaufbahn der Leute ist: der Lob und die Kritik der Leute. Wenn ich also tiefer und tiefer in diese Umlaufbahn eintauche begehre ich mehr und mehr ihrer Währung und fürchte mehr und mehr um ihren Verlust. Wenn ich beispielsweise Monopoly spiele begehre ich mehr und mehr von ihrer Währung. Es lässt mich für einen Moment „reich“ erscheinen. Wenn jedoch das Spiel vorbei ist, was kann ich mit dem Monopoly-Geld im echten Leben kaufen?

Die menschliche Währung des Lobes ist Monopoly-Geld. Es fühlt sich für einen Augenblick großartig an sie zu sammeln, aber wenn das Spiel vorbei ist, dann ist es wertlos. In der Wirklichkeit dieses und des nächsten Lebens ist es wertlos. Tortzdem begehre diese falsche Währung sogar in meinem Gottesdienst. Auf diese Weise werde ich Opfer der versteckten Beigesellung (schirk al-chafiyy): der Zur-Schaustellung (riya’a). Riya’a ist die Konsequenz des Lebens in der Umlaufbahn der Schöpfung. Je mehr ich dies zu meinem Bewusstsein mache, desto mehr werde ich aufgezehrt vom Ziel menschlichen Lob, ihre Zustimmung und Anerkennung zu gewinnen. Und ich fürchte immer mehr den Gesichtsverlust, den Verlust meiner Stellung, des Lobes, der Zustimmung.
Je mehr ich aber die Menschen fürchte, desto versklavter werde ich. Wahre Freiheit ist nur möglich, wenn ich die Furcht von alles und allem loslasse außer die vor Gott.
In einer profunden Überlieferung wird erzählt, dass einmal ein Mann zum Propheten (sas) kam und sagte: „O Gesandter Allahs, sagt mir eine Tat die dazu führt, dass Allah mich liebt und Menschen mich lieben.“
Er (sas) sagte: „Löse dich von dieser Welt und Allah wird dich lieben. Löse dich von dem was mit den Leuten ist und die Leute werden dich lieben.“ [note]Sunan Ibn Mâdschah, Buch 37, Hadîth 4241. Online hier.[/note]

Ironischerweise erhalten wir mehr von der Zustimmung und Liebe der Menschen, je weniger wir nach ihnen streben. Je weniger wird die Menschen brauchen, desto mehr werden die Menschen zu uns hingezogen sein und unsere Gesellschaft suchen. Diese Überlieferung lehrt uns eine profunde Wahrheit. Nur dadurch, dass wir aus der Umlaufbahn der Schöpfung ausbrechen können wir erfolgreich sein mit Gott und den Leuten.
Während also Facebook tatsächlich ein nützliches Werkzeug ist, lasse es ein Werkzeug deiner Freiheit sein – nicht ein Werkzeug deiner eigenen Knechtschaft und deiner Knechtschaft der Bewertung durch Andere.“