Bismillah.
Gott der Erhabene sagt in der Übertragung Seiner Rede:
>>Wenn einer von den Beigesellern dich (O Muhammad) um ein Nachbarschaftsbündnis bittet, so gewähre es ihm, auf dass er Gottes Rede hören kann...<< [9:6]
Zu Erläuterung:
Die göttliche Offenbarung ist eine ewige Rede, die herabgesandt wurde von Seiten der erhabenen Autorität. Der von ihm Angesprochene darf zu keiner Zeit vergessen , dass der Qur’ân die Rede Gottes ist. Er muss im Wissen um die Erhabenheit des Herabsenders sein und dass das Buch das ihm gegenübersteht kein gewöhnliches Buch ist.
Der Qur’ân ist weder ein Roman, Geschichte oder historisches Buch, noch ein Technik- oder Wissenschaftsbuch. Diese erhabene Schrift enthält die Rede Gottes. Sie wurde herabgesandt mit einem Ziel und einer Bestimmung. Deswegen muss der Qur’ân im Wissen um Gottes Rede gelesen und ihm Respekt gezollt werden. Diesen Respekt jedoch bloß äußerlich zu zeigen käme einer Bestechung des Qur’ân gleich. Wie dieser Respekt auszusehen hat, muss wiederrum vom Qur’ân erlernt werden.
Der Begriff Kalâmullah, also Rede Gottes, wird im Qur’ân an drei Stellen benutzt. Eines dieser Stellen beinhaltet eine Kritik an der Änderung der Thora, der Offenbarung der Kinder Israels: „Seid ihr denn darauf aus, dass sie euch glauben, wo einige von ihnen Gottes Rede schon hörten, dann aber, nachdem sie es verstanden hatten, es verfälschten, und zwar wissentlich?“ (2:75).
Die zweite Stelle ist die anfangs zitierte Âya 6 der Sûrat at-Tauba. Dort wird empfohlen Gelegenheiten zu schaffen, dass die Beigesellenden Gottes Rede vernehmen. Es wird also jede erlaubte Möglichkeit gefördert, dass sie die Offenbarung erreicht.
Die letzte Stelle ist in Sûrat al-Fath. In dieser Sûra wird die Tatsache zur Sprache gebracht, dass manche der Heuchler nicht an der Schlacht teilnahmen, jedoch indem sie trotzdem einen Anteil an der Beute beanspruchten, kam das dem Versuch gleich Gottes Rede zu ändern (48:15).
Hinsichtlich der Tatsache dass der Qur’ân Gottes Rede ist, werden mehr Abweisungen als Feststellungen getroffen. Obwohl also an mehreren Stellen festgestellt wird, dass der Qur’ân Gottes Rede ist, weist Allah hauptsächlich die Argumente ab die vorgebracht werden, dass der Qur’ân nicht Gottes Rede sei.
Wir können diese wie folgt behandeln:
1. „Der Qur’ân ist keine Lüge die von Seiten des ersten Empfängers Muhammad ersonnen wurde.“
Der Qur’ân hat diese Behauptung die in der Zeit der Offenbarung erstmals vorgebracht wurde in dutzenden seiner Âyât behandelt. Damit will der Qur’ân zeigen dass die Wahrscheinlichkeit, das dieses erhabene Buch von einem menschlichen Wesen stammt, gleich null ist. Dadurch, dass der Qur’ân feststellt, dass derjenige von dem behauptet wird er hätte den Qur’ân erfunden weder Schreiben noch Lesen konnte, zeigt er auf, dass die Behauptung unrealistisch ist. Ein Mensch dem die genannte Kompetenz fehlt, kann niemals eine solche Rede ersinnen.
An folgenden Stellen gibt der Qur’ân eine Antwort auf die unbegründeten Behauptungen:
„Die nicht glauben, sprechen: ‚Siehe, dies ist nur Trug, den er sich ausgedacht hat – andere Leute halfen ihm dabei.‘ Doch sie begehen Unrecht und Betrug.“ (25:4)
Diejenigen die diese hervorbrachten wussten genau, dass der Prophet (sas) Analphabet war. Und trotzdem sagten sie dies, um die Offenbarung vor den Menschen herabzuwürdigen. Der Qur’ân hält auf folgende Weise fest, dass der Prophet nicht lesen und schreiben konnte:
„Nie vorher trugst du aus einem Buche vor und schriebst es nicht mit deiner Rechten ab. Sonst würden die daran zweifeln, die es für Trug erklären.“ (29:48)
In der Sûra asch-Schûra heißt es:
„(…) Du wusstest weder, was das Buch ist, noch der Glaube.“ (29:48)
2. „Der Qur’ân ist nicht das Werk eines Dichters.“
In jener Zeit, als die Dichtung ihre höchste Entwicklungsstufe auf der arabischen Halbinsel erreichte, vermochte der Qur’ân mit seiner Eloquenz und Wortgewandheit alle Dichter zum verstummen zu bringen. Aufgrund seiner Eigenschaften die der Dichtung ähneln, gründete die Behauptung, dass der Qur’ân Werk eines Poeten wäre. Der Qur’ân antwortet auch auf diese Unterstellung:
„Wir lehrten ihn nicht die Dichtung, denn das gebührt ihm auch nicht. (…)“ (36:69)
In der Sûrat al-Hâgga wird dieses Faktum auf eine klare Weise erwähnt:
„Es ist nicht das Wort eines Dichters – wie wenig glaubt ihr doch! -“ (69:41)
3. „Der Qur’ân ist nicht das Werk eines Wahrsager.“
In der Zeit der Offenbarung war der Glaube an die übernatürlichen Kräfte der Wahrsager verbreitet. Diejenigen die den Qur’ân verweigert haben, haben in ihrer Verzweiflung über ihre Machtlosigkeit als sie den Qur’ân hörten die These vertreten, dass er die Worte eines Wahrsagers beinhalten würde. Der Qur’ân antwortet hierauf:
„Und nicht das Wort eines Wahrsagers – wie wenig lasst ihr euch denn mahnen! -“ (69:42).
4. „Der Qur’ân ist nicht das Werk eines Verrückten.“
Diejenigen die sich ob der Wunderartigkeit des Qur’âns hin- und herwanden, meinten dass der Prophet verrückt wäre und dass der Qur’ân seiner Verrücktheit entspringe. So eine Behauptung ist grundsätzlich unhaltbar. Denn die Wahrheiten die seine Zunge artikulierte, sind nicht die Gedanken eines verrückten Menschen. Obwohl sie das ganz genau wussten, sagten sie: „(…) O du, auf den herabgesandt ward der Qur’ân, du bist verrückt.“ (15:6).
Der Qur’ân kämpft schon früh gegen diese Behauptung an, indem er folgende Worte äußert:
„Nûn. Beim Schreibrohr und dem, was sie schreiben! Du bist nicht verrückt aufgrund der Gnade deines Herrn.“ (68:1-2)
5. „Der Qur’ân ist nicht das Werk eines Magiers.“
Die Quraysch waren völlig ratlos angesichts der zunehmenden Attraktivität des Islams und je mehr ihre Ratlosigkeit zunahm, desto mehr strengten sie sich an, ihm etwas entgegenzusetzen. Eines dieser propagandistischen Anstrengungen war die Meinung, dass der Prophet Zauberei gelehrt wurde. In der Sûrat al-Muddathir wird das Aufkommen dieser Meinung auf eine sehr schöne Weise erläutert. Walîd ibn al-Mughîra sagte nach einer Überlegung und Abwägung hinsichtlich des Qur’âns folgendes: „(…) Das hier ist nichts als Zauber, wie gewohnt. Das hier ist nichts als Menschenwort.“ (74:24-25)
Die Offenbarung geht auch gegen diese Meinung an.
6. „Der Qur’ân ist nicht das Werk des Teufels.“
Die Glaubensverweigerer wurden schier verrückt, dass die Menschen sich zunehmend der Offenbarung zuwandten. Sie ließen in der Folge nichts unversucht um seine Verbreitung zu hemmen. Sie gingen mit erlaubten und unerlaubten Mitteln vor. Wenn ein Mittel sie nicht weiterbrachte gingen sie über auf das nächste. Während sie sagten, dass der Qur’ân Werk eines Dichters sei, sagten sie auch, dass der Prophet vom Teufel beeinflusst sei. Der Qur’ân geht auch hierauf ein: „Die Urschrift der Offenbarung können nur die gereinigten Engeln berühren.“ (56:78-79). Und ganz offen sagt der Qur’ân ebenso: „Es ist nicht die Rede eines verworfenen Satans.“ (81:25).
7. „Der Qur’ân wurde Muhammad nicht von einem anderen Menschen beigebracht.“
Eines der Unterstellungen der Beigesellenden war die Aussage, dass dem Propheten (sas) der Qur’ân von einem anderen Menschen gelehrt wird. Über die Identität seines Lehrers wurde viel spekuliert. Nach einigen Aussagen war dies ein römischer Christ namens Dschabra oder Ya’isch gewesen.
Diese Behauptung wurde auch mit Vehemenz vertreten. Der Qur’ân nimmt diese Aussage auf, indem er sagt:
„Wahrlich, Wir wissen, dass sie sagen: ‚Es lehrt ihn ja doch ein Mensch.‘ Die Sprache dessen, auf den sie anspielen, ist fremd. Diese Sprache aber ist klares Arabisch.“ (16:103)
8. „Der Qur’ân ist keine Legende der Früheren.“
Auch sagten sie, dass die Offenbarung nur Legenden, Märchen und alte Geschichten der früheren Völker beinhalte. Der Qur’ân greift diese Aussage an neun Stellen auf, und sagt aus, dass die Offenbarung weit entfernt von so einem Ursprung ist.
„Wenn ihnen die Verse vorgetragen werden, sagen sie: ‚Dies ist eine Legende der Früheren.'“ (68:15)
In der Sûrat al-Furgân: „Sie sprechen: ‚Legende der Früheren sind es, die er da aufgeschrieben hat! Sie werden ihm diktiert am Morgen und am Abend.'“ (25:5)
Die Aussagen darüber, was der Qur’ân nicht ist, haben wir versucht bis hierher zusammenzufassen. Sie enthalten Hinweise darauf, was der Qur’ân stattdessen ist. Natürlich ist die Offenbarung nicht das Werk des Propheten (sas); auch nicht die eines Dichters, eines Verrückten, eines Magiers oder Wahrsager oder gar des Teufels.
Auch ist der Qur’ân nicht von einem Menschen zum Propheten übermittelt worden und ist keine alte Geschichte ohne Bedeutung. Ja, was dann? Es ist die Rede Gottes. Die ewige Rede. Die beste Rede. Deswegen sagte der Prophet (sas): „Das beste Wort ist das Buch Gottes und der beste Weg ist der Weg Muhammads.“ (Buchâri, Adab, 70).
Das Wissen darüber, dass der Rede von Gott stammt, sorgt beim Empfänger für eine tiefe Ergebung und Ruhe. Denn die Rede Gottes ist das Heilmittel der Herzen, die Stärke des Verstandes und das Mandat der Zunge.
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