Bismillah.
Jahr für Jahr erreicht uns die Zeit der Pilgerfahrt. Die Pilgerfahrt mit ihren Ausrufen und ihrem Vergießen, in den überlieferten Worten des Propheten[note]Dschâmi‘ at-Tirmidhî, Buch 9, Hadîth 20. Die Kette dieser Überlieferung wurde als schwach eingestuft. Online hier.[/note].
Die Ausrufe der Einheit (Lâ ilâha illâ allâh), der Größe (Allâhu akbar) und des Lobpreis Allahs (Li allâhi al-hamd). Diese Ausrufe füllen die Täler und die Anhöhen Mekkas und Medînas.
Dies ist die Zeit des uralte Ritual mit der Opferung der Tiere und der Opferung dessen, was zwischen uns und Allah steht.
Jedes Jahr aufs Neue richten sich unsere Herzen, unsere Körper und unser Verlangen gen des altehrwürdigen Hauses (Bayt al-Atîq) mit der Ausrufung unseres Daseins für Allah (Labbayk allahumma labbayk). So wie sie von dem Propheten Abraham (as) wiederentdeckt und vom Propheten (sas) von jedweder Beigesellung gesäubert wurde. Und wie viele Propheten, Gesandte und Nahegerückte Allahs haben diese Rufe der Einheit Allahs ausgestoßen und wie viele rechtschaffende Diener Allahs sind zwischen den Tälern Mekkas gewandelt!
Dieses Bild wiederholt sich seit über 1400 Jahren und es kommen Pilger um das altehrwürdige Haus zu besuchen. Nicht einmal wurde dieses Ritual der Pilgerfahrt ausgelassen.
Weit weg von diesen Szenen, weit weg von dem Gedenken Allahs an jenem Ort, sind wird hier in Deutschland. Hier, wo die Prediger manche der Lehren wiederholen die wir aus der Pilgerfahrt gewinnen.
Was wäre es jedoch für in Verhängnis, wenn wir diese Lehren am einem Tag hören und am nächsten nicht umsetzen. Das Problem der Probleme ist, wenn wir jährlich die Lehren mit unseren Ohren vernehmen, aber diese nicht in unsere Herzen eindringen.
Damit dies nicht geschieht und das Gesagte eine Spur in unserem Herz hinterlässt, sagen wir uns täglich 27-mal vom Weg der Abirrenden los, die die Wahrheit kennen und davon abweichen, und wir sagen uns los vom Weg derjenigen auf derjenigen auf denen Allahs Zorn ist.
1. Einheit aller Menschen – Lehren aus der Rede Gottes
Wir werden nur über eine Lehre der vielen Lehren der Pilgerfahrt sprechen. Wenn wir die Rede Gottes anschauen fällt uns auf, dass Allah das Folgende sagt:
„Rufe die Menschen zur Pilgerfahrt“ (22:27) und „das erste Haus das für die Menschen errichtet wurde“ (3:96), „Allah machte die Ka’ba, das verwehrte Haus, zu einer Stätte für die Menschen“ (5:97), „…sodass die Herzen der Menschen sich zu ihnen richten“ (14:37).
Warum weist an diesen Stellen die Rede Gottes die Handlung oder das Ziel allen Menschen zu – wo es doch hier gerade um die auserwählten Diener geht, die die Pilgerfahrt vollbringen?
Alle Menschen werden angesprochen, weil eine Vereinheitlichung der Menschen durch die Offenbarung gewollt ist.
Eine Einheit die dadurch zu erreichen ist, dass den Menschen offenbar wird, dass der Herr eins ist und die Propheten gleich sind, die Gebetsrichtung eins ist, die Offenbarung die Gleiche ist und die Symbole des Gottesdienstes gleich sind.
Sogar die Zeitbemessung, in die wir uns unterscheiden wenn wir den Beginn des Fastenmonats Ramadan und sein Ende bestimmen, kann während der Phase der Pilgerfahrt nicht unterschiedlich sein, sondern ist eine Zeit die allen gleich ist.
Mit der Einheit kommt die Rede Gottes in der Ansprache der Gemeinschaft. „Und trefft Vorsorge, aber die beste Vorsorge ist das Gottesbewusstsein“ (2:197), „wenn ihr von Arafa herunterkommt, dann gedenkt Ihm.. und eilt vorwärts… und bittet Ihn um Vergebung.“ (2:198-199).
Dies, damit von dieser Rede niemand ausgenommen ist. Dies ist keine Ansprache für die Araber unter Ausschluss der Nichtaraber, oder dem Weißen unter Ausschluss des Schwarzen. Hier sind die Menschen gleich.
Wenn der Mensch in seinem Lebensalter fortschreitet, so nimmt sein Unterschied zu anderen Menschen und damit seine Hochmut zu. Aufgrund seiner Größe, oder seinem Namen oder seiner beruflichen Stellung, seinem Vermögen oder seiner Herkunft. All das wird zurückgelassen beim Mîgât, wenn die Menschen das Gewand der Armut anziehen. Sogar die Reichen und die Könige und die Oberschicht der Menschen ziehen nichts anderes als die Kleidung der Pilgerfahrt, die charakteristischen zwei weißen Stoffstücke. Für niemanden wird hier ein Ausnahme gemacht. Warum? Damit die Menschen in das Gewand der Armut eintreten, wie al-Dschauzi gesagt hat. Damit die Menschen unter den König der Könige in der Bekleidung der Armut treten.
Diese Einheit der Rede und die Ansprache an die Gemeinschaft will eine Vereinheitlichung der Menschen und der Herzen. Diese Einheit der Gemeinschaft über die oft sprechen und die wir oft wiederholen.
Doch wo ist die Einheit in unserem Verhalten und unserem Umgang?
Allah sagt in der Übertragung Seiner Rede (49:13):
إِنَّ أَكرَمَكُم عِندَ اللَّهِ أَتقاكُم
„Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher am meisten Gottesbewusstsein hat.„
Der Prophet Allahs (sas), als er die Pilgerfahrt vollzog, fasste die Essenz des Islam zusammen, und die Bedeutung der Glaubensgrundlagen und zeigte uns die hohen Ziele der Gottergebung auf, indem er sagte:
„O ihr Menschen! Ohne Zweifel ist euer Herr und Schöpfer eins und euer Vater ist eins.
Es gibt es keinen Vorzug des Arabers vor dem Nichtaraber und keinen Vorzug des Nichtarabers vor dem Araber – außer durch Gottesfurcht.“[note]Musnad Abdullâh ibn Mubârak, Hadîth No. 239, online hier.[/note]
2. Die Geist der vorislamischen Zeit als Grund für Spaltung
Diese Worte des Propheten (sas) beinhalten eine Warnung vor dem Geist der vorislamischen Zeit (Dschahiliyya). Dieser Geist der Dschahiliyya unterteilt die Menschen nach ihren Hautfarben, nach ihrer Herkunft, nach ihrem Vermögen, nach ihren Bäuchen – und sichert auf diese Weise nichts anderes als die Uneinigkeit.
Die Einigung der Menschen kann nur geschehen indem sie realisieren, dass ihr Vater eins ist und wenn sie daran glauben, dass ihre Lebensweise (dîn) gleich ist. Denn die Religion ist Licht über Licht.
Es wird von ihm (sas) überliefert, dass er sagte:
„Ohne Zweifel hat Allah von euch den Stolz der vorislamischen Zeit (Dschahiliyya) von euch genommen und eure Gewohnheit mit euren Vorfahren anzugeben. Entweder ist man ein gottbewusster Gläubiger oder ein ein bemitleidenswert Sündiger (sonst gibt es keine Unterscheidung zwischen euch).
Ihr seid Nachfahren Adams und Adam ist aus Erde. Lasst die Leute mit ihren Vorfahren angeben. Sie sind bloß Feuerstoff für die Hölle. Sie haben vor Allah weniger Wert als ein Käfer, der Mist mit seiner Nase rollt.“[note]Sunan Abî Dâwûd, Buch 43, Hadîth 344. Online hier.[/note]
Warum ist es dann, dass die Menschen einen Unterschied machen? Warum ist es so, dass die Menschen zur Spaltung und zum Nationalismus aufrufen? Warum ist es so, dass wir nach dieser Unterscheidung nach Herkunft verfahren?
Eines dieser Gründe ist die Eifersucht. Die Eifersucht hat seit je her die Menschen gespalten, wie uns der Prophet (sas) lehrt:
„Die Krankheit der vergangenen Gemeinschaften kommt auf euch zu: Eifersucht und Hass, dass sind die Schneidenden. Ich spreche nicht von dem was die Haare schneidet, sondern was die Religion zerschneidet.
Bei Dem in dessen Hand meine Seele ist! Ihr werdet nicht ins Paradies eintreten bis ihr wahrhaftig glaubt. Und ihr werdet nicht wahrhaftig glaubt bis ihr euch gegenseitig liebt.
Soll ich sagen, was die Liebe stärkt? Verbreitet den Friedensgruß untereinander.“[note]Dschâm’i at-Tirmidhî, Buch 37, Hadîth 2699. Die Kette dieser Überlieferung wurde als schwach eingestuft. Online hier.[/note]
und
„Seid nicht eifersüchtig gegeneinander, habt keine bösen Gedanken gegeneinander, spioniert euch nicht nach und versucht nicht den Anderen auszuspielen. Seid Dienerinnen und Diener Allahs in Geschwisterlichkeit!“ [note]Sahîh Muslim, Buch 45, Hadîth 37. Online hier.[/note]
und
„Ein Muslim ist der Bruder des Muslim. Er trickst ihn nicht aus, er lügt nicht an und er täuscht ihn nicht. Alles was der Muslim hat ist dem anderen Muslim verboten: seine Ehre und sein guter Ruf, sein Eigentum und sein Blut.
Das Gottbewusstsein ist hier (im Herzen). Wenn eine Person seinen Schwester oder seinen Bruder herabsetzt oder sich über ihn lustig macht, dann ist das schon böse genug.„[note] Dschâmi‘ at-Tirmidhî, Buch 27, Hadîth 33. Online hier.[/note]
Die Eifersucht bringt zwischen den Muslimen den Hass hervor. Die Eifersucht ist der Grund dafür, dass die Menschen sich hassen und sich feind sind.
Allah zeigt auf einen anderen Grund warum die Menschen sich spalten (49:11):
يا أَيُّهَا الَّذينَ آمَنوا لا يَسخَر قَومٌ مِن قَومٍ عَسىٰ أَن يَكونوا خَيرًا مِنهُم وَلا نِساءٌ مِن نِساءٍ عَسىٰ أَن يَكُنَّ خَيرًا مِنهُنَّ
„O ihr, die ihr glaubt! Laßt nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasset) Frauen über (andere) Frauen (spotten), vielleicht sind diese besser als jene.“
Der Prophet (sas) hat diese Krankheit behandelt, indem er einige Spuren der Dschahiliyya ansprach die in den Gefährten noch vorhanden waren.
Als Abu Dharr einen anderen Gefährten des Propheten in einem Streit beleidigte, indem er auf dessen Mutter anspielte die Nichtaraberin war, sagte der Prophet (sas) zu Abu Dharr:
„O Abâ Dharr! Du bist eine Person die noch die Spuren der Dschahiliyya in sich trägt.“ [note]Sahîh al Buchârî, Buch 2, Hadîth 23. Online hier.[/note]
Diejenigen die zu zur Uneinigkeit unter den Menschen beitragen, in jenen befinden sich noch die Spuren der Dschahiliyya. Und solange sie das machen, sind noch nicht die Spuren der Dschahiliyya aus ihnen verschwunden!
Keiner sagt „Ich bin besser als er.“ außer derjenige der sich auf dem satanischen Weg folgt. Denn der Satan war der Erste der diese Worte ausgesprochen hat. Und jeder der diese Worte wiederholt, folgt dem Beispiel des Satans.
Jeder der Eifersucht in seinem Herzen hat und dies sich in seinem Verhalten zeigt, zeigt das Verhalten der Schriftbesitzer, wenn sie wollen, dass ihr wieder den Glauben verweigert nachdem ihr ihn angenommen habt (2:109). Beneiden denn sie die Menschen um das, was Allah ihnen aus Seiner Gunst gegeben hat (4:54)?
Die Zuteilung der Gunsterweise ist göttliche Weisheit. Derjenige der seine Mitmenschen beneidet der bemängelt den Schöpfer für Seine Weisheit.
3. Stolz auf die Abstammung und Neid – Wo befinden wir uns?
Meine lieben Geschwister: zu den Gründen unserer Uneinigkeit gehört der Stolz auf unsere Abstammung und dass wir über unsere Mitmenschen lustig machen.
Deswegen hat uns unser Prophet (sas) daran erinnert, dass unser Vater einer ist. Und unsere Abstammung die Gleiche ist. Und er hat bei seiner eigenen Familie angefangen, indem er sagte:
„O Safiyyah bint ‚Abdul-Muttalib! O Fâtima Tochter der Muhammad! Ich kann euch vor Allah nicht schützen. Fragt mich nun was ihr wollt von meinem Besitz“ [note]Dschâmi‘ at-Tirmidhî, Buch 36, Hadîth 7. Online hier.[/note], denn „wen seine Taten verlangsamen, den kann seine Abstammung nicht beschleunigen.“ [note]Sahîh Muslim, Buch 48, Hadîth 48. Online hier.[/note]
„Alle schlechten Handlungsweisen der Dschahiliyya sind durch mich beseitigt“[note]Sahîh Muslim, Buch 15, Hadîth 159. Online hier[/note] stellte der Prophet (sas) zu Abschluss seiner Gesandtschaft fest.
Wer also zur Spaltung der Menschen durch eine dieser Verhaltensweisen beiträgt, macht sich also einer Handlungsweise der Dschahiliyya schuldig.
Wenn dies also so ist wie beschrieben ist, dann gehört das Gegenteil zu den besten der Taten. Die Einigung der Menschen, die Nächstenliebe, das Einhalten der guten Verhaltensweisen ist einer der besten Taten die Allah liebt.
„Soll ich sagen was viel besser ist als das rituelle Gebet und das Spenden?“
Sie sagten: „Ja, O Gesandter Allahs!“
Er (sas) sagte: „Euch zu vertragen und dass ihr eure Mitmenschen versöhnt. Denn die Missgunst zwischen euch ist die Abschneidende.“ [note]al-Adab al Mufrad, Buch 21, Hadîth 7. Online hier.[/note]
Ich frage euch: Nach über 1400 Jahren Pilgerfahrt und das Zusammenkommen am Tage von Arafat. Am Tage an dem sich die Menschen aus Ost und West und Schwarze und Weiße treffen. Hat die islamische Gemeinschaft (Umma) die Bedeutung der Einheit die gebührende Anstrengung gegeben? Wo befinden wir uns hinsichtlich unserer Einheit die Allah und Sein Gesandter für uns wollen?
Inspiriert von der Freitagspredigt von Taufîg as-Sâigh, gehalten am 26.11.1433 nach der Hidschra in der Moschee al-Lâmî in Dschidda[note]Hier anzuhören.[/note].
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