Bismillah.
– Der Qur’ân ist der Dialog Gottes mit den Menschen. –
Gott der Erhabene sagt in der Übertragung Seiner Rede:
>>Er, Gott, sprach: „Adam, tu ihnen ihre Namen kund!“ Als er ihnen ihre Namen kundgetan hatte, sprach Er: „Hab ich’s euch nicht gesagt? Siehe, ich kenne das Verborgene der Himmel und der Erde […]<< [2:33]
Zur Erläuterung:
Von unserem Propheten (sas) wird berichtet, dass er sagte: „Wer mit seinem Herrn sprechen will, soll den Qur’ân lesen.“[note]Deylemî, el-Firdaws bi me’sur al-chitâb, Band 1, S. 302[/note] Von dieser Überlieferung verstehen wir, dass der Qur’ân ein Buch ist, das einen Dialog zwischen dem Menschen und Gott herstellt. Manchmal legt der Qur’ân einen lebendigen Dialog zwischen den Propheten und Gott dem Erhabenen und manchmal zwischen den anderen Menschen und Gott dar.
Beispielsweise zeigt uns die Sûrat al-Baqara in der Geschichte der Kinder Israels und der Schlachtung der Kuh (Âyât 67 bis 71) einen sehr lebendigen Dialog zwischen Gott und den Menschen. In der gleichen Sûra (Âya 260) zeigt das Beispiel des Gesprächs zwischen Abraham und Gott, dass tatsächlich ein dynamischer Prozess zwischen Gott und den Menschen stattfindet.
Wenn der Adressat des Qur’âns diesen Aspekt der göttlichen Rede begreift, dann hat er einen großen Gewinn erlangt. Derjenige der sich mit der Rede Gottes auseinandersetzt und dabei begreift, dass der Qur’ân kein toter Text ist, sondern zu ihm spricht , wird große Freude an der Lesung haben und allerlei Nutzen daraus ziehen. Derjenige der sich gewahr ist, dass der Qur’ân ihm zuhört, wird seine Trauer ihm offenbaren, seine Freude mit ihm teilen, seine Sorge und seinen Dank vor ihm zur Sprache bringen und seine Beschwernisse ihm anvertrauen. Derjenige der all dies im Bewusstsein hält, wird sich bei der Lesung der ewigen Rede bewusst sein, dass er sich in der Audienz des Allmächtigen befindet, eine Antwort von Ihm erwarten und somit seine Sorgen Ihm, dem Schöpfer, anvertrauen kann.
Von seinem Sitzplatz aus wird keine monotone Stimme mehr ertönen, sondern er wird sich bei den Âyât über das Paradies freuen, bei den Âyât über die Hölle Zuflucht bei Ihm suchen, bei der Barmherzigkeit Gottes lächeln und vor der Strafe Gottes fürchten. Er wird also ein lebendiges Gespräch mit dem liebenden Erbarmer führen.
Es gibt unzählige Beispiele wie der Prophet (sas) ein lebendige Verbindung zum Qur’ân aufgebaut hat. Er nahm inneren Anteil an jeder Âyâ die er lies, antwortete; er agierte wie jemand der weiß, dass er aufgerufen ist sich in Beziehung zu setzen zum Text der göttlichen Rede. Dass er (sas) uns empfahl, nach jeder Fâtiha „Gott erhöre!“ (Âmîn!) zu sagen, ist das größte Indiz dafür.
Als er (sas) die letzte Âya von der Sûrat at-Tîn hörte oder reizitierte und das „Ist Allah nicht der beste unter den Entscheidern?“(95:8) hörte, antwortete er „Doch und wir gehören diesbezüglich zu den Bezeugenden.“[note]Dschâmi‘ at-Tirmidhî, Buch 47, Hadith 3670. Online hier [/note]
Wenn er (as) zu der 40. Âya von Sûrat al-Qiyâmah kam und „Ist denn Allah nicht in der Lage die Toten zu erwecken?“ (75:40) hörte, so sagte er „Sicherlich!“[note]Sunan Abî Dâwûd, Buch 2, Hadîth 497. Online hier.[/note]
In der Sûrat al-Mursâlat, Âya 50 sagte er nach „An welche Aussage wollt ihr denn danach glauben?“ (77:50) „Wir haben in Allah vertraut.“ [note]ebenda[/note]
Schließlich wird auch überliefert, dass er (sas) nach „Preise den Namen deines Herrn, dem Größten!“ (87:1) „Gepriesen sei der Herr, der Größte!“ aussprach[note]Sunan Abî Dâwûd, Buch 2, Hadîth 493. Online hier [/note].
Die erwähnten Aussagen vom Propheten (sas) sind nur einige Beispiele wie er ein Gespräch mit dem Qur’ân geführt hat. Wir wissen, dass er bei jeder Âya eine andere Herangehensweise hatte. Beispielsweise wird uns überliefert wie seine Stimmung war, als er die 41. Âya von Sûrat an-Nisâ aus dem Munde Abdullah ibn Mes’ûds hörte[note]Sunan ibn Mâdschah, Book 37, Hadith 4334, Online hier.[/note] oder dass seine Haare nach der Offenbarung der Sûrat Hûd ergrauten. Er (sas) sagte nämlich selbst, dass ihn die Sûrat Hûd und die folgenden haben ergrauen lassen[note]Dschâmi‘ at-Tirmidhî, Buch 47, Hadîth 3609. Online hier.[/note].
Bei der Âya „Bleibe aufrichtig, so wie dir befohlen wurde!“ (11:112) fing der Prophet (sas) an zu zittern.
Er (sas) war ein Diener der Aufrichtigkeit. Die Menschheit hat von ihm die Aufrichtigkeit, Standhaftigkeit und die rechte Haltung gelernt. Er (sas) hat uns auf eine schöne Weise gelehrt wie man gegenüber der Offenbarung zu stehen hat. Damit man diese Haltung des Propheten (sas) auch bei den restlichen Empfängern des Qur’ân sich entwickelt, muss die Lebendigkeit der göttlichen Offenbarung bewusst sein. Wie kann denn jemand, der den Qur’ân als einen leblosen Text sieht, als ein Objekt, als ein Buch bei dem man nicht weiß wie man in Kontakt mit ihm tritt je in der Art und Weise Nutzen ziehen wie der Prophet und die rechtschaffenden Diener von ihm Nutzen gezogen haben?
So wie wir uns dieser erhabenen Rede nähern, so erhalten wir auch seinen Segen. Denn dieses Buch „steigert den Glaubenden der Gläubigen“ und „verstärkt die Verweigerung der Verweigernden“. Diejenigen die nach Rechtleitung suchen wird er rechtleiten, diejenigen die nach Irreleitung suchen wird er bei ihrem Bestreben fördern.
Deswegen muss der Empfänger der Botschaft das Wissen über den Dialog zwischen Mensch und Qur’ân besitzen und nach Wegen suchen, wie man vom Dialog seinen Nutzen zieht.
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