Bismillah.
Zuhören: eine Fertigkeit? Das wird viele erstaunen, angesichts der vielen Kurse die vermitteln wollen wie man „Besser sprechen“ und „Vorträge halten“ lernt. Jedoch wird auch die Kunst des guten Zuhörens einem nicht die Wiege gelegt. Wenn man selbst einmal mit einer Person zu tun gehabt hat, die ständig dazwischengesprochen hat und deshalb nur mit Mühe als ein guter Zuhörer bezeichnet werden kann, weiß wovon ich spreche.
Ein wahrer Meister des tiefen Zuhörens und deshalb ein Vorbild darin war der Prophet (sas). Es wird von ihm berichtet, dass er sich immer Zeit nahm um die Anliegen seiner Gefährten anzuhören[note]Schamâil Muhammadiyyah, Buch 46, Hadith 319. Online hier.[/note].
Eines Tages kam eine Frau zu ihm um ihre Sorgen los zu werden. Er (sas), zu dieser Zeit bereits der Vorsteher einer großen Gemeinde, antwortete ihr bloß: „Setze dich irgendwo in Medina hin, ich werde gleich zu dir kommen und dir ein Ohr schenken.“[note]Schamâil Muhammadiyyah, Buch 46, Hadîth 314. Online hier.[/note]
Wir sind von Natur aus schlechte Zuhörer. Hier fünf Tipps um diese wichtige Kunst weiter zu perfektionieren[note]inspiriert von Gretchen Rubins 5 Tipps for Becoming A Better Listener[/note].
1. Schaue nach Hinweisen ob eine Person mit dir sprechen will – und signalisiere, dass du zuhören willst.
Wenn du merkst, dass jemand sprechen will, dann beschäftige dich nicht mit anderen Sachen. Lege dein Buch nieder, lege dein Handy nieder und zeige mit deiner Körperhaltung, dass du der Person deine ganz Aufmerksamkeit widmest. Der Prophet (sas) drehte sich immer mit dem ganzen Körper zu der Person zu der er sprach oder dem er zuhörte[note]Schamâil Muhammadiyyah, Buch 1, Hadîth 6. Online hier.[/note].
2. Lasse dein Gegenüber seine Gedanken erklären.
Erkenne an, dass die Gefühle deines Gegenübers real sind. Für mich ist dies ein wichtiger Punkt. Denn wenn sich jemand gekränkt fühlt oder andere negative Gefühle hat, dann wirst du ihn erst verstehen, wenn du dich in ihn hineinversetzt. Der Schritt sich in jemand anderen hineinversetzen kann nur gelingen, wenn du nicht Wut, Irritation, Angst oder Widerwille als unbedeutend abtust. Er kann jedoch gelingen, wenn du die Gefühl nachvollziehst. „Du hast keine Lust zu gehen.“ „Du bist gelangweilt.“ „Normalerweise magst du das, aber jetzt gerade bist du nicht in der Stimmung.“
Dieser Schritt ist schwerer als es sich anhört.
3. Ermutige die Person weiter auszuführen und zu reden indem du offene Fragen stellst, die sogenannten Zuhörgeräusche machst (sie werden auch „minimale Ermutiger“ genannt“) und Augenkontakt herstellst.
4. Versuche das Gesagte noch einmal mit deinen eigenen Worten zu wiederholen (zu paraphrasieren) um zu zeigen, dass du die Punkte verstanden hast.
5. Sei geduldig und überstürze nicht mit deinen „Patentlösungen“.
Dies ist ein Fehler den nicht nur Männer machen. Es geht in den meisten Fällen nicht mit einer sofortigen Antwort aufzuwarten oder blitzschnell die eigenen Erfahrungen zu schildern (nach dem Motto: „Aaah, das erinnert mich daran, als ich…“).
Lasse deinem Gegenüber ausreichend Zeit um seine Gedanken zu entwickeln und genügend Platz um diese darzulegen.
Währenddessen ist nur eines von dir gefragt: Geduld, Geduld, Geduld.
Schreibe einen Kommentar