Bismillah.

In der Reise durch das Leben gibt es für uns Muslime immer einen Punkt der unveränderlich bleibt und dieser Fixpunkt ist Allah, unser Schöpfer und Herr. Was sich jedoch ändert ist unsere Bindung zu Ihm und unser Wissen über Ihn und Seine Eigenschaften. Denn Seine Eigenschaften und Namen sind es, die unsere Liebe zu Ihm zunehmen lassen. Sie sind die Mittel Ihn besser kennen-, verstehen- und lieben zu lernen.

Deshalb wollen wir uns einige Seiner Namen anschauen. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf Allahs Namen al-Wârith, der Erbende.

Gott der Erhabene sagt in der Übertragung Seiner Rede (15:23):

وانا لنحن نحيي ونميت ونحن الوارثون

Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass Wir es sind die lebendig und leblos machen und Wir sind die Erbenden (al-wârithûn).“

Allah, der Erhabene, ist derjenige der übrig bleibt nachdem alles vergangen ist. Al-Ghazâlî sagt, dass Allah es ist, zu dem die Besitztümer zurückkehren nachdem der Besitzer vergangen ist, weil Er derjenige ist der überdauert. Deswegen kehrt alles zu Ihm zurück. Er ist der Erbe, al-Wârith.
Welche Bedeutung hat dies für uns?

1. Alles gehört einzig und allein Allah und alles wird zu Ihm zurückkehren. Wir sind nur vorübergehende Besitzer.

Gott der Erhabene sagt in der Übertragung Seiner Rede:

يوم هم بارزون لا يخفى على الله منهم شيء لمن الملك اليوم لله الواحد القهار

Am Tage an dem sie vorkommen werden, dann wird vor Allah nichts verborgen bleiben.
Wem gehört die Herrschaft an diesem Tag? Sie gehört Allah, dem Einen, dem Bezwinger.“ (40:16)

Diese Âya erinnert uns, dass am Ende der wahre Besitzer Allah ist und alles zu Ihm zurückkhren wird. Scheich Râtib an-Nabulsî bemerkt dazu, dass unser Wissen darüber dass Allah der Erbende ist die Sichtweise darüber ändert was wir als ‚unseres‘ ansehen. Es wird keine Beziehung zu den Sachen mehr sein, die auf den Gedanken der Eigentümerstellung, sondern auf Verantwortung und Treuhänderschaft aufbaut. So haben wir nicht mehr einen ‚Anspruch‘ auf unsere Besitztümer, mit denen wir machen was wir wollen, sondern müssen sie als Dinge ansehen die uns anvertraut wurden.

Ein Beduine der einen Kamel führte wurde einmal gefragt, wem das Kamel gehöre.
Er antwortete: „Es gehört Allah und ist in meinen Händen.“ Alles was wir haben ist Allahs und wir haben sie nur in unseren Händen für eine bestimmte Zeit.

Stell dir vor, du würdest alle Güter als anvertraute Güter Allahs sehen. Wie würde es dein Verhalten beeinflussen? Wenn du beispielsweise deinen Körper als ein anvertrates Gut sihst, würdest du besser ihn Acht geben? Würdest du so habgierig mit dem Geld in deinem Portemonnaie umgehen? Würdest es dir dann noch schwer fallen etwas wegzugeben?

2. Was willst du zurücklassen? Wisse, dass die beste Sache die du zurücklassen kannst eine gute Tat ist.

Jeder Gläubige sollte wissen, dass das Beste was er zurücklassen kann seine guten Taten sind, weil sie sind wahre Erbschaft die verbleibt.

Gott der Erhabene sagt in der Übertragung Seiner Rede (36:12):

انا نحن نحيي الموتى ونكتب ما قدموا واثارهم وكل شيء احصيناه في امام مبين

Ohne Zweifel erwecken Wir die Toten und schreiben auf, was sie früher taten und was sie hinterließen (âthârahum).

Und alles haben Wir genau erfasst in einem Hauptbuch.“

In einer Überlieferung, die zwar als schwach eingestuft wird jedoch mit den Worten Allahs übereinstimmt, gab der Prophet (sas) uns einige Beispiele der Dinge die nicht vergehen:

„Wahrlich die Dinge die einen Gläubigen von der Belohnung seiner guten Taten nach seinem Tod erreichen werden sind:
Wissen das er lehrte und verbreitete, fromme Kinder die er zurücklässt, eine Qur’ânausgabe die er als Erbe zurücklässt, eine Anbetungsstätte die er erbaute, ein Haus die er für Reisende errichten ließ, ein Kanal das er ausheben ließ oder eine Spende die er gab während er in guter Verfassung war.
Diese Taten werden ihn nach dem Tod erreichen.“[note]Sunan ibn Mâdscha, Band 1, Buch 1, Hadîth 242. Online hier.[/note]

Diese Liste kann man fortführen: alle Spenden die langfristig angelegt sind und den Tod eines Menschen überdauern, werden ihm vielleicht für 5, 10 oder 100 Jahre nach seinem Ableben noch nutzen. Legen wir also unsere Zeit gut an.

Wenn du darauf konzentriert die guten Taten überall wo du bist einzupflanzen, dann kannst du zu denjenigen gehören, über die Allah in dieser Âya spricht (19:63):

تلك الجنة التي نورث من عبادنا من كان تقيا

„Das ist der Paradiesgarten den wir nur denjenigen Unserer Diener zum Erbe vererben (nûrithu) die gottesfürchtig waren.“ 

3. Al-Wârith kann dir erlauben selbst zu erben, wenn du rechtschaffend bist.

ولقد كتبنا في الزبور من بعد الذكر ان الارض يرثها عبادي الصالحون

Wir legten ja ganz gewiss nieder in die Urschrift aller Offenbarungen, nach den ermahnenden Botschaften folgende Regel fest:

die Erde werden wir vererben (yûrithuhâ) den rechtschaffenden Dienern.“ (21:105)

Der Name Allahs ‚Al-Wârith‚ hat auch für das diesseitige Leben eine Bedeutung. Allah erinnert uns, dass am Ende nicht diejenigen die Erde erben werden die mächtig sind. Er zeigt uns das Gegenteil: diejenigen die vorübergehend Macht besitzen werden diese verlieren, genauso wie früher scheinbar unzerstörbare, aber ungerechte Weltreiche zerfielen.
Er erinnert uns bei den vornehmen Eigenschaften dieser Religion zu bleiben, weil Ungerechtigkeit niemals gewinnen wird. In Seiner Rede erzählt uns Allah der Erhabene über eine Gespräch zwischen Moses (as) und seinen Leuten (7:128):

قال موسى لقومه استعينوا بالله واصبروا ان الارض لله يورثها من يشاء من عباده والعاقبة للمتقين

„Und Moses sprach zu seinem Volk:
Ruft Gott um Hilfe an und seid geduldig! Siehe, das Land gehört ja Gott, Er vererbt es (yûrithuhâ) denen seiner Diener, die Seiner Gesetzmäßigkeit folgen. Das gute Ende gehört ja den Gottesfürchtigen.'“

Der Ratschlag Mose ist wichtig. Er spricht zu den Kindern Israels in einer schwierigen Zeit, in einer Zeit in der sie unterdrückt werden. Er erinnert sie Hilfe zu suchen in Geduld (d.h. im Fasten) und in Allahs Barmherzigkeit und dass die Erde am Ende Allahs ist. Die Unterdrücker werden nicht überdauern, also nehme nicht deine Stärke von ihnen.

Die Erde die hier gemeint ist, ist die ewige Erde des Paradiesgartens.

Von Jinan Yousef (What Do You Leave Behind – Allah al-Warith), übersetzt und ergänzt von Jeanne.