Bismillah.
Der Mensch ist ein Wesen bestehend aus der Seele und dem Körper. Die Seele unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen. Da jedoch viele Wissenschaftler die autonome Existenz der Seele für nicht erwiesen ansehen, wurde diese Thematik den Theologen überlassen [note]Für eine Übersicht aus Sicht der Philosophie: Katja Crone (Hrsg.). 2010. Über die Seele. Suhrkamp: Berlin.[/note]. Dies hat dazu zu einem Ungleichgewicht und zum Aufkommen einiger falscher Annahmen geführt.
1. Zur Existenz der Seele
Die Rede Gottes versorgt uns bezüglich dem Menschen mit wichtigem Wissen. Wenn die Âyât ganzheitlich betrachtet werden[note]Zur methodologischen Grundlage siehe hier.[/note], dann wird klar, dass die Entwicklung des Fötus in der 15. Woche abgeschlossen ist und die Seele in dieser Phase eingehaucht wird und dass die Leibesfrucht im Regelfall noch weitere sechs Monate im Mutterbauch bleibt.
Gott der Erhabene in der sinngemäßen Übertragung Seiner Worte:



„Er ist derjenige der alles schön erschafft. Und die Erschaffung des Menschen begann Er aus einem Gemisch von Erde und Wasser. Daraufhin machte Er sein Nachkommenschaft aus ein Auszug aus einer nicht haltbaren Flüssigkeit. Danach formte Er ihn zurecht und hauchte ihm von Seinem Geist ein. Er hat euch außerdem Gehör, Augenlicht und Herzen gemacht. Wie wenig ihr dankbar seid!“ (32:7-9)
Die Seele nutzt den Körper wie ein Haus. Wenn der Körper einschläft, verlässt sie ihn und wenn er aufwacht kehrt sie zurück. Ein toter Körper gleicht einem Haus das verfallen. Bis zur Wiedererschaffung kehrt die Seele nicht mehr in den Körper zurück.
Diese Âyât beschreiben das eben gesagte:

„Gott beruft die Seelen zur Zeit ihres Todes ab und auch diejenigen, die nicht gestorben sind, während ihres Schlafes. Er hält für denjenigen, für den Er den Tod beschlossen hat, zurück und gibt die andere Seele auf eine festgesetzte Frist frei. […]“ (39:42)
Der Schlaf ist notwendig zum Ausruhen und der Tod ist notwendig um einen nicht verfallenden, nicht alternden und nicht krank werdenden Körper, also ein Körper das für das jenseitige Leben geeignet ist, zu erhalten.
Wenn der Mensch vom Tode auferweckt wird, wird er denken, er sei vom Schlaf erwacht und wird sagen: „Wer hat uns von unserer Schlafstätte aufgeweckt?“ (36:52)
2. Die Beziehung zwischen Seele und Körper
Gewöhnlich wird der Mensch als ein denkendes und sprechendes Wesen beschrieben. In der Folge wird der Verstand als das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen Mensch und Tier gesehen. Der Qur’ân jedoch sagt uns jedoch, dass das Einhauchen der Seele und damit zusammenhängend die Werdung des Herzens, der Ohren und due Auge der wichtigste Unterschied ist. Denn die Vögel, Ameisen (vgl. 27:23), ja sogar unbelebte Dinge sprechen und stellen Überlegungen an (vgl. 11:44; 17:44; 19:88-91; 21:69-71; 24:41; 44:17-29; 59:21; 99:1-5).
Nach dem Einhauchen der Seele erhalten die Augen neben der Sehfähigkeit die Einsichtsfähigkeit; die Ohren neben der Hörfähigkeit die Fähigkeit zur auditiven Verarbeitung und das Herz erhält neben der anatomischen-organischen Fähigkeit Blut zu pumpen, den Status als Sitz der Entscheidungen zu fungieren. Der Verstand wird der Berater der Herzens. Wenn der Herz auf ihn hört, dann werden richtige Entscheidungen gefällt. Deswegen wird im Islam der Glauben mit dem Herzen bestätigt.
Die Augen können die Wahrheit sehen und erkennen, die Ohren die Wahrheit hören, aber wenn dies das Herz nicht zur Kenntnis nimmt, dann ist nichts gewonnen ausser einem inneren Unwohlsein. Um sich selbst als richtig darzustellen, klammert es sich an eine Lüge. In einer Umgebung von Lügen baut es sich dann eine Scheinwelt auf. Oder es begibt sich in eine schon bestehende Scheinwelt. In jener Welt können die Aufrichtigen nicht in die oberen Schichten aufsteigen.
Das Ungleichgewicht von Verstand und Herz führt einige dazu, dass man in berauschende, betäubende oder unkonventionelle Verhaltensweisen getrieben wird. Dies betrifft jene Menschen die sich im Ungleichgewicht befinden. Von Menschen im Ungleichgewicht kann man nicht ernsthaft erwarten, dass sie andere Menschen in Gleichgewicht bringen.
Dies ist also was den Menschen von anderen lebendigen Geschöpfen unterscheidet. Das Entscheidungszentrum ist das Herz, nicht der Verstand. Dieses Herz ist das Herz der Seele, nicht etwa das anatomisch-organische Organ. Die von ihm befehligten Augen und Ohren sind die Augen und Ohren der Seele.
3. Die Stammeltern der Menschen
Die Evolutionisten behaupten ausgehend von der Ähnlichkeit zwischen beiden, dass der Mensch vom Affen abstamme. Da jedoch die Seele den Menschen vom Tier unterscheidet, kann der Mensch nicht wie in der Evolutionsbiologie vertretenen Weise vom Tier abstammen.
Wenn wir den Menschen mit einem Computer vergleichen, so ist der Körper wie die Hardware, das Leben die Elektrizität und die Seele die Software des Computers. So wie die Software den Computer von anderen elektrischen Geräten unterscheidet, so unterscheidet sich der Mensch nach dem Einhauchen der Seele von anderen Lebenwesen.
Die Stammeltern der Menschen sind Adam und Eva. Diese entwickelten sich in einem jahrtausenden währenden Phase in einem Gebiet aus einer Essenz aus dunklem Ton (15:26) zu einem Zustand, dass einem befruchteten Ei gleicht. Danach nahmen sie die menschliche Form an und es wurde ihnen die Seele eingehaucht.
Gott der Erhabene sagt folgendes:

„Wir schufen ja den Menschen aus einem Auszug aus Lehm.“ (23:12)
Bis zur Erschaffung Adams gab es auf der Erde kein Menschenwesen. Im Qur’ân heißt es:


„Ist nicht über den Menschen eine Spanne der endlosen Zeit gekommen, in die er nicht erwähnenswert war?
Wir haben den Menschen ja aus einem befruchteten Samen erschaffen, um ihn zu prüfen. Und so haben Wir ihn mit Gehör und Augenlicht versehen.“ (76:1-2)
Das Wort, das in der obigen Übertragung als „erwähnenswert“ übersetzt wird, kommt von der Wurzel [dh-k-r] und bedeutet ursprünglich Wissen (dhikr). Das bedeutet, dass bis zur Erschaffung des ersten Menschen kein Wissen über ihn vorhanden war.
Von Abdülaziz Bayindir (Ruh ve Vücut Dengesi), übersetzt und ergänzt von Jeanne.
Schreibe einen Kommentar