Bismillah.
– Der Qur’ân ist die Grundform eines arabischen Wortes mit der Bedeutung „die Lesung“
und er erwartet von seinen Empfängern gelesen zu werden. –
Gott der Erhabene sagt in der Übertragung Seiner Rede:
>>Und trägst du die Lesung vor, so bitte bei Gott Zuflucht vor dem verworfenen Satan.<< [16:98]
Zur Erläuterung:
Obwohl es verschiedene Ansichten zum Ursprung des Begriff „Qur’ân“ gibt , so ist doch die mehrheitliche Meinung, dass sie vom Verb q-r-a in der Infinitivform des Wurzelmusters fulan kommt. Die Hauptbedeutung umfassend kommt sie in dieser Form in der Rede Gottes selbst vor (als Lesen, s. 75:18). Aus diesem folgt, dass erwartet wird, dass die Adressaten ihn tatsächlich lesen.
Die göttliche Rede wurde also herabgesandt, auf dass die Menschen sich mit ihm auseinandersetzen. Wenn in der arabischen Sprachen ein Verb in seiner Infinitivform auftaucht, so ist ein Fokus darauf gelegt, dass die genannte Tätigkeit in wiederholender Weise vollzogen wird. Weil der Begriff „Qur’ân“ in jener Form gestaltet ist, ist von den Menschen erwartet, dass sie ihn wiederholt und regelmäßig lesen.
Dieses Lesen des Qur’âns: In welcher Weise ist diese Lesung erwartet? Ist womöglich bereits eine oberflächliche Lesung ausreichend?
Keineswegs! Wenn der Qur’ân nur eine einfache Lesung wollte, dann würde er nur von „Tilâwa“ (einer Art des Lesens) sprechen. Aber bereits in der Offenbarung die dem Propheten (sas) zuging, sagt der Erhabene „Iqra‘“. Das heißt, dass es zwischen den verschiedenen Arten des Lesens große Unterschiede gibt. So kann man das Wort das von der Wurzel q-r-‘ von den Wörtern des t-l-w und r-t-l in der Weise abgrenzen, dass „Qir’â‘“ ein begreifendes Lesen ausdrückt, in dem der Zusammenhang des Gelesenen in die Betrachtung einbezogen wird.
Der Qur’ân benutzt wie eben gesagt noch einen Begriff, der ein verständiges Lesen mit dem Ziel den Beweggrund und die Stoßrichtung (maqsad) herauszufinden ausdrücken soll. Dieses Wort kommt in den ersten Offenbarungen, in der Sûrat al-Muzammil vor, in dem Gott der Erhabene den Propheten auffordert „tartîlan“ zu lesen:
>>O du Eingehüllter! Stehe die Nacht auf (zur Qur’ânlesung) – bis auf einen kleinen Teil. Du kannst bei der Hälfte der Nacht aufstehen oder etwas früher. Oder auch etwas später, (wichtig ist nur:) Lese den Qur’ân mit dem Ziel ihn zu verstehen (tartîlan)!<< (73:1-4)
Tartîl ist ein Lesen Stück für Stück, mit Gewicht und mit Pausen, die dazu dienen ihn zu reflektieren (über ihn nachzudenken). Darum wurde auch der Qur’ân nicht als Ganzes, sondern in Abschnitten offenbart, sodass die Adressaten ihn Stück für Stück gut begreifen (vgl. 25:32). Es ist so, als ob der Qur’ân diese Botschaft geben will: So wie Gott der Erhabene den Qur’ân Stück für Stück mit gewichtigen Worten hat euch zukommen lassen – so versucht ihn auch auf diese Weise, in Abschnitten, stetig und vertieft zu verstehen. Wichtiger als die Frage wie oft ihr den Qur’ân durchgelesen habt ist die Frage wie viel Mühe ihr investiert habt um ihn verständig zu lesen.
Die Art und Weise wie der Qur’ân durchgelesen werden soll ist folglich: ein Lesen bei dem man versteht, über ihn nachdenkt und seinen Verstand, sein Herz, seinen Körper diesem Buch anvertraut. Außerdem ist von uns verlangt mit dem Namen Gottes zu beginnen und beim Lesen eine Verbindung zum Erhabenen herzustellen. Egal ob die Zeichen des Buches oder der Natur gelesen werden, sollen wir mit dem Namen Gottes beginnen und unsere Lesung soll Er, der Erhabene, begleiten.
Wenn der Mensch auf diese Weise liest, dann erst erhält er von der Lesung seinen Nutzen und die von ihm ausgesprochenen Worte überzeugen seinen Verstand und beruhigen sein Herz. Wenn der Verstand und das Herz gemeinsam den Körper in Bewegung setzen, dann steht nichts mehr im Wege einen Menschen so zu formen, wie der Schöpfer ihn haben will.
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