Bismillāh

– Der Qur’ān ist eine von Gott überreichte göttliche Speisetafel
an die Menschheit. –

Gott sagt in der Übertragung Seiner Rede:
>>Dies ist ein Buch, das wir herniedersandten, das voller Segen ist. So folgt ihm und seid euch Gottes bewusst, damit euch Barmherzigkeit zuteil werde.<< [6:155]

Zur Erläuterung:

Der Ausdruck nuzūl (vom arabischen na-za-la), den der Qur’ān benutzt, um die Herabsendung der Offenbarung von den Himmeln auf die Erde zu bezeichnen, enthält viele wichtige Botschaften für uns. Dieser Begriff findet in seinen verschiedenen Formen vielfache Verwendung in der Rede Gottes, zum Beispiel in der Form von nazzala, yunazzilu, tanzīlan, manzil, munazzil, inzāl und anzala.

Die Gemeinsamkeit all dieser Worte ist folgende: Sie drücken eine Darreichung von Speis‘ und Trank des Vornehmen für den Gast aus – also ist der Qur’ān quasi eine göttliche Speisetafel an die Menschheit. Die Araber bezeichneten nämlich das Essen, das sie den Gästen anboten als nuzūl. Dadurch, dass Allāh Seine Rede in diesem Zusammenhang nennt, möchte Er ausdrücken, dass der Qur’ān ein Angebot des Herrn ist an die Menschen, auf dass sie davon ihren Nutzen ziehen. Der Qur’ān ist eine solche Speisetafel, dass der Essende immer mehr davon will, ihn nicht unwohl oder voll macht und dessen Geschmack nicht vorübergehend, sondern von bleibender Süße ist. Er ist eine Speisetafel der Heilung und der Barmherzigkeit.

Nimmt also die Menschheit dieses göttliche Angebot an, so wie es der Herr will? Leider können wir auf diese Frage nicht mit einem uneingeschränktem „Ja“ antworten. Genauso wie die Kinder Israels das Himmelsbrot Manna (2:57, 7:160 und 20:80), das ihnen durch die Gnade Allāhs gewährt wurde, nicht annahmen, bemängelten und kritisierten, obwohl sie sich für seinen Erwerb nicht einmal einen Finger bewegen mussten, so behandeln viele Menschen die Offenbarung heutzutage auf ähnliche Weise. Statt sich an die göttliche Speisetafel zu setzen und davon zu essen, verziehen sie ihre Gesichter wie kleine Kinder, denen Gemüse vorgesetzt wird und wenden ihr den Rücken zu.

Die Verhaltensweisen der Menschen gegenüber der Rede Gottes können wir unter drei Überschriften abhandeln.

1. Diejenigen, die der Speisetafel den Rücken zuwenden

Damit sind diejenigen gemeint, die sich überhaupt nicht zum Essen setzen und die schuldlos oder schuldhaft kein Wissen über die Rede Gottes haben. Obwohl sie jeden Tag Hunger und Durst leiden haben sie kein Wissen über das wunderbare Büffet, das für sie aufgebaut wurde oder ignorieren es ganz einfach. Manche sehen es, sagen aber „Nein, brauche ich nicht“ und kräuseln die Nase und manchen bleibt die Speise vorenthalten, da sie nicht wissen, wie man sich an den Tisch setzt.

2. Diejenigen, die glauben, sie hätten sich an die Speisetafel gesetzt, aber nicht wissen, wie man isst

Innerhalb der islamischen Gemeinschaft ist dies die Verhaltensweise von der größten Gruppe von Menschen. Ein Muslim hat sich entweder falsch an den Tisch gesetzt oder hat sich richtig gesetzt, aber weiß nicht wie man isst. Wir sprechen beim Essen von Tisch- oder Essmanieren. Aber manchmal missachtet der Mensch ganz grundlegende Essregeln und legt gegenüber dem Gastgeber Respektlosigkeit an den Tag. Da er sich entweder falsch an den Tisch setzt oder ein Stuhl heranrückt, wo doch das Essen traditionell auf dem Boden hergerichtet ist oder sich zu weit wegsetzt, sodass er nicht mehr an sein Essen kommt, bleibt er von den Vorteilen dieser Speisetafel fern.

Oder aber er setzt sich richtig an den Tisch und zeigt beste Manieren, aber er starrt das Essen untätig an und das Essen starrt ihn an. Er beginnt alle Vorteile, Vorzüge und Nährstoffe der Speisen aufzuzählen, zu preisen und den anderen nahezubringen, aber er selbst streckt nicht seine Hand aus um davon zu kosten. Da er nicht weiß, wie man isst, nimmt er ein Löffel und bringt ihn an sein Ohr heran, versucht die Suppe mit einer Gabel zu essen und macht allerlei unnütze Bewegungen, im Glauben, er würde davon satt werden. Dann isst er die Nachspeise als Allererstes und verliert seinen Appetit oder isst nur vom Salat und vergisst dabei die anderen Speisen. Abschließend versucht er die Speisen zu würzen und benutzt zu viel Salz und vermischt Süß und Sauer, mit der anschließenden Bemerkung, dass das Essen ihm nicht schmecke.
Derjenige, der bei der göttlichen Speisetafel so verfährt, wird entweder nicht satt oder macht sich durch sein Verhalten zum Gespött.

3. Diejenigen, die sich richtig hingesetzt haben und wissen, wie man isst

Diese Personengruppe wurde vor dem Hinsetzen über die Speisetafel und sein Wesen informiert und in Kenntnis gesetzt. Sie haben von einem Lehrer gelernt, wie man sich am Tisch benimmt und beobachtet, wie man isst. Sie wissen, wie man sich dem Tisch nähert, wo man sich hinsetzt, wieviel man von dieser-und-jener Speise zu sich nimmt, wann man Löffel, Gabel und Messer benutzt und welcher Gang zuerst kommt.

Da sie all dieses Wissen besitzen, ziehen sie bis zu ihrem Tod Nutzen von der aufgebauten Speisetafel, können ihren Hunger und Durst stillen und somit ihr Diesseits sowie Jenseits wunderbar gestalten. Sie wissen, wie gut die Speise schmeckt und nutzen ihre Zeit, um diesen Geschmack den Menschen nahezubringen, um all die Hindernisse abzubauen, die zwischen dem Menschen und der Speisetafel existiert.
Das sind diejenigen, die wissen, wie man sich dem Essen nähert, seinen Wert kennen und ihre ganze Kraft und Mühe aufwenden um herauszufinden, wie man besser von dieser göttlichen Speisetafel profitiert.