Bismillah.
Deutsch zu sein bedeutet für mich…
…sich den besonderen Momenten bewusst zu sein, in der der Zufall in der Geschichte dieses Landes den Ausschlag zugunsten einem oder dem anderen historischen Weg herbeibrachte.
Bei welchen anderem Land wird dies so klar als hier bei uns?
…die europäische Einigung zu kennen und die immensen Vorteile dieses politischen Projekts für Deutschlands und Europas Wohlfahrt – ein Projekt, das eben erst durch seine grenzüberschreitende Natur solch positive Ergebnisse zeitigte und die bis heute auf der Erde ihresgleichen sucht. Die kleingeistige Vorstellung einer „Festung Europa“ ist nicht Teil dieses Bildes und sollte gerade jetzt einer neuen Entwicklung weichen.
…den Blick auf die Welt zu richten und welt-offen zu sein und damit einhergehend die Spezifika meines eigenen Selbst zu kennen.
…selbstkritisch zu sein und das nicht nur im homöopathischem Maße – eine Eigenschaft die nicht erst durch die historischen Erfahrungen in Deutschland erwuchs, sondern die durch seine Dichter und Denker mit einem agilen Verstand, der deutschen Befindlichkeit von je her als innewohnend zu bezeichnen sind.
Wie etwa mit Heinrich Heine, der, um Rolf Hosfeld zu folgen, nicht nur ein deutscher Intellektueller war, sondern auch einer der ersten aus dem neuentstehendem Typus der europäischen Intellektuellen. Doch der erst mit der Exilerfahrungen in seiner distinkten Weise davon berichten konnte, was die deutsche Heimat für ihn bedeutete.
Und der neuen Horizonten auf keinen Fall ablehnend gegenüber stand, sondern in einer Umbruchphase beitrug – und seine literarische Leistung ist bis heute bleibend.
…an der Entwicklung der rechtsstaatlichen Grundlage teilzuhaben und mitzugestalten. Die 1717 und 1818 ihren verfassungsrechtlichen Beginn fand im Umkreis meines Geburtsortes mit der Badischen Verfassung und dem Privilegienbrief und mit dem Grundgesetz an ihre erfolgsreichste Periode anknüpfte.
All dies zeigt auch für mich auf, dass eine Flüchtlingspolitik die sich (um mit dem Rat der Migration zu sprechen) ausschließlich an neoliberalen Nützlichkeitsideologien orientiert, eben nicht zum Selbstverständnis gehört, für die sich die Bundesrepublik mit ihrem höchsten staatsrechtlichem Dokument entschieden hat.
Deshalb gilt es allzeit an dieses Selbstverständnis zu erinnern und Gegenteiligem energisch gegenübertreten.
Und es gilt daran zu erinnern, dass eine weltoffene Ausrichtung Deutschland stets weitergebracht hat und die nationalistisch-chauvinistische Maske unserem Volk wie auch anderen Völkern nur Unheil versprach.
Letztere sollte fest verschlossen im Museum bleiben und als Lehre dienen.