Notizen zur Rede Gottes

Autor: Jeanne

Zwischen Gottergebenheit und Heuchelei (2:204 – 211)

Bismillah.

Gott der Erhabene sagt in Übertragung seiner Rede im Kapitel mit der Kuh (Sûrat al-Baqara, No.2):

>>Manche Menschen gibt es, dessen Rede über das Leben hier im Diesseits dir gefällt
und der zum Zeugen Gott anruft für das, was er in seinem Herzen hegt –
und ist dabei der heftigste Streitsüchtige. (204)
Wendet er sich ab, ist er darauf aus, Unheil auf der Erde anzurichten
und Ackerland und Nachkommenschaft zu vernichten.
Gott liebt das Unheil nicht. (205)
Wird ihm gesagt „Fürchte Gott!“,
ergreift ihn Stolz auf seine Sünde.
Mit der Hölle muss er sich begnügen –
wahrlich, welch schlimme Lagerstatt! (206)
Manchen Menschen gibt es, der seine Person verkauft
im Bestreben nach Gottes Wohlgefallen.
Gott ist zu seinen Knechten gütig. (207)
O ihr, die ihr glaubt! Tretet allesamt ein in das Heil!
Und folgt nicht den Schritten Satans!
Siehe, er ist euch ein klarer Feind (208)
Doch wenn ihr strauchelt, nachdem doch Beweise zu euch gekommen waren,
so wisst: Gott ist mächtig, weise! (209)
Halten sie wohl Ausschau nur danach, dass Gott persönlich zu ihnen komme
im Schutze von Gewölk mit seinen Engeln?
Dann wäre doch die Sache entschieden,
und alles würde zu Gott zurückgebracht. (210)
Frag doch die Kinder Israel, wie viele klare Zeichen wir ihnen gaben!
Wer die Gnade Gottes vertauscht, nachdem sie doch zu ihnen gekommen war-
siehe, Gott ist dann streng im Strafen (211)
Verlockend ist für diejenigen die den Glauben verweigern das Leben hier im Diesseits,
und sie spotten über die, welche glauben.
Die Gott fürchten, stehen am Tag der Auferstehung über ihnen.
Gott versieht mit Gaben, ohne abzurechnen, wen Er will (212).<<

Es geht in diesen Âyât um die Heuchler und ihre Eigenschaften die Wege die zur Glaubensverweigerung führen. Gott sagt, dass es unter den Menschen Heuchler gibt die super sprechen können. Man denkt sich: „MaschaAllah, das ist eine clevere Person, wie gut kann die denn sprechen ey!“ Sogar der Prophet hat das Sprechen der Heuchler gefallen, ohne zu merken, dass sie zwar gut sprechen aber schlecht handeln (2:204). Deswegen warnt Gott vor ihnen, denn sie sind diejenigen die sich am meisten Widerstand gegen den Glauben leisten (وَهُوَ أَلَدُّ الْخِصَامِ). Außerdem schwören heuchlerische Personen dauernd bei Gott und nehmen Gott zum Zeugen für ihre Lügen – was besonders gefährlich ist. Wir können als Beispiel nennen die Âya [63:1], in der aufgezeigt wird, wie die Heuchler zum Propheten gekommen sind und seine Gesandtschaft bezeugt haben. Man neigt dazu dieser Person zu vertrauen und ihn zu bewundern.

Das Einzige was der Heuchler machen will ist jedoch Unheil und Chaos anzurichten. Ob bei den Menschen oder bei Ackerfeldern, die den Menschen versorgen, es ist ihm egal (2:205). Wenn er jedoch auf sein sündhaftes Verhalten hingewiesen wird und ihm gesagt wird: „Schwester/Bruder, fürchte Gott! Das geht doch nicht!“, so wird er hochmütig und er macht sogar noch stärker wie vorher weiter (2:206). Möge Gott uns davor bewahren.

Jedoch gibt es welche die ihr ganzes Leben verkaufen nur um Gotts Zufriedenheit zu erlangen (2:207) – möge Gott zu ihnen zählen. Jeder Mensch hat das „Potential“ der Heuchelei im Herzen, deswegen ruft uns Gott auf vollständig, also mit Leib und Seele, in den Islam einzutreten. Das Beispiel der kompletten Gottergebenheit sind Abraham und sein Sohn Ismael, die sich ganz dem Befehl Gottes beugten (vgl. 37:102; die ganze Geschichte hier). Und das Beispiel des wankelnden Gottergebenen, ist die Person, die wenn es ihm schlecht geht, Gott voller Inbrunst anruft aber in guten Zeiten Gott vergisst (siehe 30:33).

Ferner sollen nicht den Spuren des Satans folgen, der die Menschen in seine Fehler mitziehen will. Er hat jedoch keine Macht über den Menschen und kann nur leere Versprechungen geben (4:120).
Der Inhalt dieser Stelle findet ihr Ende mit den Negativbeispielen der Geschichte: Die glaubensverweigernden Mekkaner, die den Propheten nicht anerkannt hatte, weil er nach ihrer Meinung schließlich „auch nur ein Mensch“ war (vgl. 17:94). Die Einstellung der Mekkaner war also folgende: „Wer bist du denn, dass du mir sagen willst was ich zu tun habe??“
Gott warnt uns vor dieser Einstellung! Er fragt, ob wir denn erwarten dass Gott persönlich kommt? Oder erwarten wir etwa, dass die Engel aus den Wolken kommen? (2:210; zu weiteren Aufforderungen Wunder zu wirken, siehe zum Beispiel 17:93). Wenn jedoch die Engel kommen würden, wie von den Mekkaner aufgefordert, dann würde die Sache entschieden und die Frist des Menschen abgelaufen sein (vgl. 6:8 und 15:8). Der Sinn des Glaubens besteht gerade darin zu glauben „bevor die Engel hinabsteigen“.

Frage doch die Kinder Israel!„, sagt Gott. Ihnen sind so viele Zeichen gekommen. Zeichen über Zeichen, Aya für Aya, Prophet nach Prophet (2:211, 6:154 und 7:162). Sie haben aber alle Gunsterweise Gott ersetzt, abgeändert, vergessen, bekämpft, aus dem Leben gedrängt.

So leben auch diejenigen die den Glauben verweigern. Sie finden Gefallen am diesseitigen Leben, am Schmuck, Rausch und dem Bling-Bling. Gleichzeitig machen sie sich lustig über die Gläubigen, die sich weigern dem gleichen Lebenswandel zu folgen (2:212). Aber Gott tröstet diejenigen die Ihn im Bewusstsein halten. Am Tage der Auferstehung werden die Gottesfürchtigen über diesen Leuten sein, denen es Spaß gemacht hat sich im Diesseits über die Gläubigen lustig zu machen. Diese Strafe ist perfekt schuldangemessen (für ein weiteres Beispiel vergleiche 83:29 und 34). Ihre Schuld wird ihnen wie ein Spiegel und vollständig rekompensiert.

Und Gott fügt Seinen Dienern kein Unrecht zu.

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil A)

Bismillah.

In den Ayat 74 bis 182 werden eine Reihe von Prophetengeschichten in verschiedener Länge erzählt wie die der Propheten Noah, Abraham, Moses, Aaron, Elias und Jonas. Die Sura findet sodann ihr Ende, indem sie den falschen Glauben der vorislamischen Mekkaner hinsichtlich der ungesehenen Wesen (Dschinn) und der Engeln abweist.

A. Geschichte der Propheten Noah und Abraham

Zunächst wird die Geschichte von Noah und dem Propheten Abraham, der nach der Aya 83 zu seiner Gemeinde gehörte, erwähnt.

Laut der Aya befand sich Der Prophet Noah in einer sehr schwierigen Lage. Allah der Erhabene hebt sein Ruf und sein Bittgebet hervor und lobt ihn, dass er sich in der Zeit der Verfolgung durch sein Volk an Ihn wandte (vgl. 54:10). Ohne auf die genauen Einzelheiten der Geschichte Noahs einzugehen, sagt Allah, dass Er seinen Diener erhörte und ihn mitsamt seinen Angehörigen aus der schwierigen Lage errettete. Das Ende des Volkes Noahs war nicht etwa, dass das Menschengeschlecht sein Ende fand, sondern dass die gläubige Nachkommenschaft fortan eine feste Stellung auf der Erde entwickelte (37:77).

Deswegen war Noah einer der auserwählten Diener und immer wenn ihr über ihn reden, sprechen wir unsere Friedenswünsche für ihn aus (37:79).

Daraufhin wird die Geschichte des Propheten Abraham erläutert. Sein Leben können wir in drei Phasen einteilen: erstens in die Phase seiner Jugend, als er unter seinem glaubensverweigerndem Volk lebte; zweitens in die Phase seiner Auswanderung und seiner Heirat; und letzlich in die Phase seiner Vaterschaft.

In der Sura as-Saffat wird auf eine grandiose Weise die erste und dritte Phase seines produktiven Lebens beleuchtet.

Abraham war ein Mensch mit heilem Herzen (37:84). Er hatte also keines der Krankheiten in sich, die den Menschen oft plagen und vor allem hat er niemals das Anliegen Beigesellung zu betreiben. Folgerichtig streitet er mit seinem Volk um ihnen den Eingottglauben nahezubringen (37:84-86). Als er jedoch merkt, dass eine rein verbale Auseinandersetzung nichts bringt, schmiedet er einen bestimmten Plan und setzt seinen Plan in die Tat um. Er besteht darin, dass er in den Götzentempel eindringen und alle Bildnisse zerstören möchte (vgl. 21:57). Um dieses Vorhaben im Alleinsein zu realisieren entschuldigt er sich gegenüber seinem Volk, dass er sich nicht wohl fühle (37:89), sodass sein Volk ihn zurücklässt und ohne ihn zum Fest aufbricht.

Diese Aussage Abrahams („Gewiß, ich fühle mich nicht wohl“) hat die Gelehrten dazu veranlasst darüber nachzudenken, ob Abraham nicht eine „Notlüge“ gebraucht habe um sich dem Zugriff seines Volkes zu entziehen. Ohne die in diesem Zusammenhang zitierten Überlieferungen die in genauer zu benennen, können wir sagen, dass der Ausdruck „Innī saqīm“ (إِنِّي سَقِيمٌ) anders als etwa „marīḍ“ (مَرِيض) wohl weniger einen krankhaften Zustand im medizinischen Sinne als vielmehr – wie bereits gesagt – ein Unwohlsein ausdrückt[note]Linguistisch wird insofern eine Unterscheidung gemacht, als dass marīḍ eine vorübergehende und saqīm eine anhaltende Krankheit beschreibt; doch weisen die Sprachwissenschaftler darauf hin, dass auch eine schwache und schwachsinnige Rede mit diesem Ausdruck beschrieben wird (كلامٌ سقيمٌ) und dass man auch sagt, die Liebe hat ihn krank gemacht (أسقَمَه العِشْق) oder er empfindet Bosheit für seinen Bruder in seiner Brust (هو سقيمٌ الصّدْر علي أخيه).[/note]. Ohne Zwang können wir deshalb annehmen, dass dieses Unwohlsein von der Beigesellung seines Volkes herrührt und damit für uns die Diskussion über die „Notlüge“ in den Hintergrund rückt.

Die Sprache des Qur’âns zeigt uns, dass er sehr frustriert gewesen sein muss und dass er diese Option der Zerstörung der Götzen als seine allerletzte Möglichkeit sah.

Als sein Volk dann zu einem großem Fest verschwindet und er allein ist, geht er mit einer Axt in den Tempel und zerstört alle Götzen im Tempel. Zum Schluß bindet er dem größten Götzen die Axt um den Hals (37:88-93) und verlässt den Ort des Geschehens. Alsbald kehren die Bewohner der Stadt zurück und erkennen nach kurzen Überlegen in Abraham den Urheber der Zerstörung (vgl. 21:60-61). Obwohl Abraham mit ihnen weiter argumentiert und sie zum Nachdenken bringen will (und insoweit provokativ zu Protokoll gibt, dass die Zerstörung wohl von diesem Götzen mit der Axt um den Hals stamme), will sein Volk nicht bedenken und ihn schließlich umbringen.

Sie richten für Abraham einen Bau (بُنْيَانًا) her um ihn der Todesstrafe durch Verbrennen zuzuführen. Für uns im europäischen Kontext kommen an dieser Stelle Erinnerungen an Scheiterhaufen auf. Doch Allah der Erhabene macht das Feuer kalt und heil für Abraham (vgl. 21:69), sodass dieser die Strafe unversehrt überlebt.

Ohne Unterbrechung springt hier die qur’ânische Rede, nach der Auswanderung Abrahams, zu einer der bedeutendsten Episoden im seinem Leben: nämlich zum Befehl Gottes seinen Sohn als Schlachtopfer darzubringen, nachdem Abraham bereits im hohen Alter die Vaterschaft durch die Gnade Gottes erhielt. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob der erstgeborene Sohn Ishaak oder Ismael war. Wir wollen uns jedoch wegen 21:85 an die Meinung halten, dass es hier um Ismael geht.

Es wird erzählt, dass der Befehl Gottes Abraham im Traum ereilte, als Ismael „das Alter erreichte, daß er mit ihm [also Abraham] laufen konnte“ (فَلَمَّا بَلَغَ مَعَهُ السَّعْيَ). Diese Wendung soll ausdrücken, dass Ismael bereits ein gewisses Alter erreicht hatte, sodass er beim Tagewerk seines Vaters zur Hand gehen konnte.

Sodann erzählt Abraham seinem Sohn, dass er im Traum gesehen habe, dass er ihn schlachte (37:102)[note]Es ist im Wortlaut des Qur’ân offengelassen, ob Abraham im Traume die Schlachtung durchführte oder lediglich zur Tat ansetzte. Doch die frohe Botschaft der Erfüllung des Traumes in 37:105 spricht dafür, dass er im Traum das Messer angesetzt und mit der Nachahmung im wirklichen Leben insofern den Traum erfüllt hat. Parallel dazu zu der Frage, ob der Prophet im Traum Mekka vor dessen Einnahme ganz betreten oder dazu angesetzt hat, vergleiche bitte mit 48:27.[/note]. Es folgt damit dem Prinzip der gegenseitigen Beratung und will somit seinem Sohn vorab mitteilen, welche schwierige Aufgabe ihm aufgegeben wurde. Doch Ismael, und dies spricht für seine geistige Reife, will sich dem Befehl Gottes beugen und meint, dass sein Vater das machen soll was ihm aufgetragen wurde. Er werde ihn, gemäß Gottes Gesetzmäßigkeiten, unter den Standhaften finden.

Die folgenden Âyât erzählen in charakteristisch knapper Form davon, was danach geschah: Ismael legt sich hin und lässt seinem Vater freien Lauf auf dass er seine Aufgabe vollbringe. Die Überlieferungen sprechen davon, dass Abraham sein Messer ansetzte und als er schneiden wollte, das Messer stumpf beziehungsweise der Hals Ismaels metallen wurde. Darauf kommen Engel herab und verkünden dass der Traum bereits wahr gemacht wurde und ein Widder wird gesandt, um an Statte des Ismael geopfert zu werden.

Also hatte Abraham mit der Entschlossenheit diese schwierige Aufgabe auszuführen seine Gottergebensheit bereits vollumfänglich bewiesen. Es war nicht weiter nötig, dass Menschenblut vergossen werden sollte.

Diese Geschichte der Opferung von Abrahams Sohn dient hernach als ein Sinnbild für das Gottvertrauen und die Ergebenheit eines Gottergebenen. Allah selbst bezeichnet in 16:120 Abraham als eine Gemeinschaft (d.h. er entsprach in seinem Glauben einem Kollektiv von Menschen). Wie bei den anderen Propheten wird ein Friedenswunsch über ihn gesprochen (16:108-109).

Das Judentum, das Christentum und der Islam nehmen in Anspruch auf diesen großartigen Menschen ihre Wurzeln zurückführen zu dürfen. Insoweit spricht man auch von den „abrahamitischen Religionen“. Aus qur’ânischer Perspektive verschleiert dieser Begriff, dass Abraham in Wirklichkeit Gottergebener, also Muslim im Wortsinne war, und nicht zu den Beigesellenden gehörte (vgl. 3:67). Herausgestellt werden muss, dass er in seiner Anbetung immer rein gegenüber Allah und ein Sucher der Wahrheit war.

Viele Philosophen und Theologen haben sich über die Geschichte Abrahams Gedanken gemacht (exemplarisch sei an dieser Stelle an die Deutung Søren Kierkegaards in seinem Frygt og Bæven verwiesen). In der Neuzeit kamen Zweifel darüber auf, ob dieser Befehl Gottes in Übereinstimmung mit dem ist, was Er, der Erhabene, selbst von den Menschen verlangt. Es wurden Betrachtungen angestellt darüber, ob hier in dieser Geschichte der Schlachtung vom Sohn Abraham ein unmoralisches und Abwägen zwischen Menschenleben und Gottergebenheit stattfindet.

Diese vorgenannten Gedankengänge verkennen folgendes: Dieser Befehl erging nicht von irgendwem, sondern von Schöpfer und Herrn der Welten. Der Verstand eines Gottergebenen wird keinen Widerspruch sehen in einem moralischen Verhalten und der Ausführung der Befehle Gottes.

Der Prophet Abraham und der Prophet Ismael dienen für uns als leuchtende Beispiele, die für uns den Weg der Geduld und der unbedingten Ergebenheit aufzeigen.

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil B)

Bismillah.

In den nachfolgenden Âyât begegnen uns nach der Geschichte von Noah und Abraham (siehe Teil A) die Propheten Moses, Aaron und Elias. Während Moses und Aaron an vielen Stellen in der Offenbarung erwähnt werden, ist Elias doch eher weniger bekannt.

Wir werden uns nun anschauen, was Allah der Erhabene über diese Propheten sagt.

B. Die Propheten Moses, Aaron und Elias

Moses und Aaron, möge Gott ihnen Frieden schenken, werden mit den Worten „Und wir erwiesen bereits Moses und Aaron eine Wohltat“ (37:114) in der Sura as-Saffat eingeführt. Wenn wir an die Wohltaten Allahs gegenüber Moses und Aaron denken, so kommt uns zunächst die Prophetenschaft selbst in den Sinn, die Religion der Gottergebung und schließlich auch die Erretung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft des despotischen Pharao. Und genau letzteres, meint Allah, wenn er von der Wohltat spricht (37:115) [note]Interessant zu wissen ist, dass hier das Wort das als „Wohltat“ oder „Gunst“ übersetzt wird von der Wurzel (م ن ن) kommt und der Begriff des Himmelsbrots Manna, dass das Volk Israels als eine Gunst von Allah erhielt, ebenso von derselben Wurzel stammt (2:57 und 20:80). Somit lässt sich al-Manna als die Gunst selbst verstehen[/note].

Es wird also hier die großartige Errettung des Volkes Israel in Erinnerung gerufen, als sie aus dem Lande Ägyptens auswanderten, eine Hidschra (= Auswanderung für den Islam) unternahmen, um die einzige Gottheit in Frieden anzubeten zu können (genauer zu den Geschehnissen siehe die 20:77-86 und 26:52-68).

Und diese Erretung war laut Allah ein Sieg und ein Triumph, außerdem auch die Thora die Moses erhielt und viele Propheten des Volkes Israels nach ihm. Die Offenbarung Mose wird mit einem Wort beschrieben, dass so einmalig im Qur’ân ist, nämlich „al-mustabin“ (الْمُسْتَبِينَ). Welche Bedeutung hat dieses Wort?

Dieses Wort stammt von der Wurzel (ب ي ن) und drückt Deutlichkeit und Verdeutlichung aus. Am häufigsten kommen Variationen dieses Wortes in der Form „mubin“ (مُّبِين) vor, dass ebenso als „deutlich“ übersetzt werden kann. Folglich sagt uns die Gottheit in 37:117, dass die Offenbarung von Moses, genauso wie die Offenbarung Muhammed Richtlinien für uns aufstellt, uns den Weg zum Erfolg zei gt und ein klares Seil ist, woran man sich festhalten kann. Die Botschaft ist klar: Die Errettung aus der Gefangenschaft Pharaos war der äußere Erfolg, die Krönung kam jedoch gleichsam als ‚innerer Erfolg‘ durch Herabsendung der klaren Handhabe der Offenbarung!

Abgeschlossen wird diese Passage über Moses und Aaron wieder mit den Friedenswünschen über beide, von heute bis zum Ende der Zeit (37:120-121).

Die nächste Prophetengeschichte in der Sura as-Saffat führt uns zurück zu den Ursprüngen des Volkes Israel. Die Geschichtsschreibung sagt uns insoweit folgendes: David und später sein Sohn Salomon beherrschten als Prophetenkönige das Königreich Israel. Nach dem Tode Salomos begannen Spannungen aufzutreten, der Sohn Salomons kam nicht an die Qualität seines Vaters heran, sodass das Königreich anfing zu zerfallen. Nach einiger Zeit war Israel schließlich gespalten in ein nördliches Israel und das südliche Juda.

Der König Ahab, der in Juda regierte, heiratete alsdann – dem göttlichen Verbote zum Trotz – mit der Prinzessin eines benachbarten, beigesellenden Reiches. Durch diese Prinzessin kam nach Juda die Beigesellung und damit ein Götze namens Baal.

Sehr viele Völker kannten durch die Geschichte hindurch einen Götzen namens Baal. Wir können diesen Götzen in unserem europäischen Raum mit Zeus vergleichen, der jedem bekannt sein dürfte. Baal war also, ähnlich wie Zeus, eine Obergottheit.

In dieses Volk Judas wurde dann der Prophet Elias gesandt (siehe ab 37:123). Er forderte sein Volk zum Gottesbewusstsein auf (37:124) und fragt sie, wie sie denn allen Ernstes die einzige Gottheit für eine illusorische Gottheit verlassen können (37:125)? Er nennt den Götzen beim Namen, ähnlich wie Allah die Götzen der vorislamischen Mekkaner (53:19-20) oder des Volkes Noahs (71:23) beim Namen nennt.

Danach erinnert er sie daran, dass die einzige Gottheit, auch die Gottheit ihrer Väter und Großväter war (37:126). Die Reaktion war entsprechend der Erfahrungen der vorangegangenen Propheten nur, dass sie ihn der Lüge beschuldigten (37:127). Möglicherweise wurden sie vernichtet, doch der Name des Propheten Elias dauert fort und wird nicht genannt, ohne dass wir Frieden über diesen edlen Menschen aussprechen (37:129-130). Nur an dieser Stelle erhalten wir in der letzten Offenbarung Gottes Informationen über Elias. An anderer Stelle taucht er in der Reihe der anderen großartigen und vorbildlichen Personen der Vergangenheit auf (6:85f).

Sura as-Saffat – Ayat 74 – 182 (Teil C)

Bismillah.

Nach den Propheten Noah, Abraham, Moses, Aaron und Elias wollen wir in dem letzten Teil der Niederschrift noch einen Blick auf die Propheten Lot und Jonas werfen und sodann diese Sura mit der Passage über die Zurückweisung des falschen Engelglaubens abschließen (37:133-182).

C. Die Propheten Lot und Jonas

Der Prophet Jonas mit den Worten vorgestellt, dass Allah sagt, dass er doch gewiß zu den Gesandten gehörte (37:133). Ähnlich wie oben bei der Geschichte von Noah wird der Abschluß seiner Gesandtschaft dargestellt – nämlich mit der Rettung der Gläubigen und der Vernichtung der Ungerechten (37:134-136).

Diese Rettung Lots und seiner Anhänger vollzog sich am frühen Morgen, als auf die Bewohner der frevelnden Stadt ein Steinregen herabprasselte (vgl. 54:34:55). Sie hatte durch ihre sexuellen Übergriffe unter Einheimischen und Auswärtigen den Boden des Rechts und Ordnung vollständig zersetzt (vgl. 27:54-55). Ausdrücklich wird Lots Frau unter denjenigen erwähnt die zurückgelassen wurden (37:135). Sie hatte den Glauben verweigert und mit der Ungerechtigkeit ihrer Mitmenschen gemeinsame Sache gemacht – deswegen wird sie auch in 66:10 als ein Negativbeispiel für Ehefrauen aufgeführt.

Sodann wird die Ansprache an die vorislamischen Araber gerichtet: „Ihr kommt ja an ihnen vorbei, bei Tagesanbruch und bei Nacht. Begreift ihr denn nicht?“ (37:137-138) Und tatsächlich war es so gewesen, dass die ersten Adressaten des Qur’ân im Rahmen ihrer Handelsreisen an den Ruinen dieser Prophetenstädte vorbeikamen[note] Es wird gesagt, dass sich Sodom & Gomorrha am Fuße des Toten Meeres befand.[/note]. Sie wussten um diese Propheten und es war ihnen wohlbekannt, dass Allah diese Städte zerstört hatte. Insofern spricht Allah hier an das kollektive Bewusstsein der vorislamischen Araber. Sie sollen nicht die gleichen Fehler begehen und die Grenzen überschreiten.

Last but not least wird in der Sura as-Saffat der Prophet Jonas erwähnt. Wie auch die andere Propheten hatte er unter seinem Volk einen lange, beschwerliche Zeitraum mit der Einladung zum Islam zu bestehen. Das Besondere an ihm war, dass er sich nach dieser Phase eigenständig entschied, dass es nichts mehr bringt weiterzumachen. Er befürchtete die nahende Strafe Gottes und machte sich auf dem Weg um zu einem anderen Ort auszuwandern und verließ seine gottgegebene Mission.

An dieser Stelle beginnt hier die Rede Gottes. Als nämlich Jonas zum vollbeladenen Schiff lief um zwischen sich und Ninive einen großen Abstand zu lassen, geriet sein Schiff in Seenot (37:139-141). Die Matrosen merken, dass es sich um einen außergewöhnlichen Sturm handelt und ziehen Lose, um den Schuldigen für dieses Unglück zu finden. Als die Lose auf Jonas fällt, werfen sie ihn letzten Endes über Bord (37:141).

Dieser Prophet, der nun eine lange Zeit in seinem Volk verbracht und sie äußerst frustiert verlassen hatte, befindet sich nun in einem großen Fisch und befindet sich einem Zustand der Abgeschiedenheit und des Bedauerns (7:142). In der Dunkelheit sieht er seinen Fehler ein und ruft aus: „Es gibt keine Gottheit außer Dir! Wie perfekt bist Du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“ (vgl. 21:87-88). Allah erhört ihn und der große Fisch spuckt ihn auf eine kahle Landstelle, wo er sich nach einer Weile erholt (37:144-145). Nachdem er die reuige Umkehr zu Allah vollzogen hat, kehrt er nach Ninive zurück und rettet nicht nur sich, sondern auch sein Volk (vgl. 10:98). Diese wären ohne die Anstrengungen Jonas‘ dem Unrecht erlegen und hätten sich die Strafe Gottes erworben. Doch am Ende sahen auch sie ihre Fehler ein und besserten sich (37:147).

Die beiden Geschichten von Jonas und Lot zeigen uns jeweils nur das Ende einer Gesandtschaft die in beiden Fällen gemäß auch der Gesetzmäßigkeit Allahs immer ein Happy End für die Glaubenden ist. Das Beispiel Lots ist das eines Volkes die nicht aufhören Unheil auf der Erde anrichten und sich leichtfertig in Gefahr begeben selbst von den bösen Auswirkungen ihrer Taten heimgesucht zu werden. Diejenigen jedoch, die sich dem Unrecht entgegenstellen werden innerhalb des Kollektivs von der Strafe Gottes ausgenommen. Alles andere wäre wiederrum Unrecht: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, kann auch nicht belangt werden. Wer jedoch die Rechte der Menschen mit den Füßen tritt, der wird wie einer sein der von seinen eigenen bösen Taten wie ein Bumerangwerfer eingeholt wird – und auch wenn er die Ehefrau eines Propheten sein sollte.

Der edle Prophet Jonas zeigt uns, dass es auf dem Weg zur Umsetzung der göttlichen Befehle holprig und steinig werden und dieses Gefühl der Frustration jeden einholen kann. Falsch wäre es jedoch, wegen der äußeren widrigen Umstände einfach aufzugeben. Denn du weißt nicht wie nah du deinem Ziel bist. Wenn du jedoch einseitig deine Anstrengungen aufgibst, so wirst du im schlimmsten Fall die Früchte deiner Bemühungen nicht ernten können. Um auf den rechten Pfad zurückzukehren bedarf es nur eines Ausspruchs: „Es gibt keine Gottheit außer dir! Wie perfekt bist du! Ich gehöre ja gewiß zu denjenigen die sich selbst Unrecht tun.“

Damit richtest du dein Begehren zunächst einzig auf Allah aus. Danach erkennst du die Größe, Perfektion und Erhabenheit der einzigen Gottheit und dass deine Anstrengung zu Ihm, erhaben sei Er, nur winzig ist. Und abschließend legst du deine Schwächen offen, indem du bekennst, dass du als Mensch fehlerhaft bist. Diese Schritte müssen vollzogen werden um eine Rekalibrierung vorzunehmen.

So finden die Prophetengeschichte vorliegend ihr Ende.


Zum Abschluß der Sura as-Saffat sollen nur einige Punkte hervorgehoben werden (37:149-182). Die vorislamischen Araber stellten zwischen Gott und den Engeln eine Verwandtschaftsbande her und begründeten dies mit innerhalb ihres Glaubens. Diese religiöse Annahme weist Gott selbst entschieden zurück (37:151-152). Sie würde implizieren, dass Gott eine menschliche Eigenschaft hat und dies widerspricht dem Gedanken der Perfektion Gottes.

Er, der Erhabene, fordert sie auf Beweise zu bringen und sagt im Grunde folgendes: „Entweder habt ihr selbst die Erschaffung der Engel gesehen, seid also Augenzeugen, dann könntet ihr ein Beweis erbringen. Oder aber ihr habt eine schriftliche Versicherung von mir, dass diese Annahme stimmt. Wenn das so ist, dann bringt sie hervor!“ (vgl. 37:150-157). Freilich basierte dieser Glauben der Araber auf einem Hirngespinst.

Die Engel aber, und insoweit sind sie nicht anders als andere Geschöpfe, werden am Tage der Auferstehung versammelt sein und vor Gericht Aussagen zu machen haben (vgl. z.B. 34:34:40-41). Außerdem können nicht von der Stellung ausbrechen, die ihnen Allah gewährt hat (37:164-167). Und damit schließt sich der Kreis und die Sura über die sich Reihenden nimmt ihr Ende.

Genauso wie die Gläubigen ihre Plätze einnehmen (siehe bereits 37:1-3), so nehmen auch die Engel ihre Plätze ein. Ungerechtigkeit (arab. Zulm) entsteht erst, wenn der Mensch einer Sache nicht ihren gebührenden Platz gibt. Sei es die Stellung Gottes, der Engel, der Propheten oder des Menschen selbst.

Somit vermittelt die Sura as-Saffat am Ende mit ihrer fulminanten Lobpreisung Gottes, den Friedenswünschen auf den Besten der Besten und dem Dank gegenüber dem Schöpfer (37:180-1802) vor allem eins: das Bild der ausgeglichenen Harmonie.

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